Suedafrika I (18.11-24.11)

18/19. November: Der Wechsel vom friedlichen, ruhigen Botswana ins hektische Johannesburg war doch ziemlich abrupt. Da wir erst spaet landeten, hatten wir beschlossen, eine Nacht moeglichst nah am Flughafen zu uebernachten, bevor wir unseren Mietwagen abholten. Wie nah das "Airport Backpackers" dann wirklich war, hat uns dann aber doch ueberrascht: Hinter dem Garten starten und landen die Jumbos, zum Glueck gibt es auch in Johannesburg Nachtflugverbot. Ansonsten erschien uns Jo'burg genauso haesslich wie beim letzten Mal, also nichts wie raus nach Osten ins Highveld!

Highveld

19./20. November Das Hochfeld, ein zerklueftetes Bergland, ist und bleibt ein phantastischer Ausgangspunkt fuer die Touren ins oestlich gelegene Lowfeld mit dem Krueger Park. Ein bisschen Revival muss dabei sein, schliesslich hatten Jean und Gerd von der Chili Pepper Lodge grossen Anteil daran, dass wir uns vor drei Jahren bereits gleich zu Anfang in Suedafrika wohl gefuehlt haben. Auf dem Weg dahin wieder grossartige Wasserfaelle und rasante Paesse. Nur den grossen Canyon des Blyde River lassen wir diesmal links liegen, um bei Tageslicht im Restaurant anzukommen und die naechtliche Begegnung mit Hippos zu vermeiden.

20.-22. November: Frueh brechen wir am naechsten Tag auf zu unserer letzten Safari: Chitwa Chitwa Safari Lodge im westlich des Krueger gelegenen, aber mit diesem verbundenen privaten Sabi Sands Reservats. Die Lodge ist seit dem letzten Mal noch schoener geworden, ein "Infinity Pool" scheint das Camp direkt an das Wasserloch anzuschliessen. Grandios bleiben die Tierbeobachtungen, besonders der erste Abend ist unvergesslich: Zunaechst stecken wir inmitten einer gemuetlich fressenden Herde von Elefantenkuehen mit ihren Jungen fest, danach verfolgen wir ein junges Rhinozeros ueber einen Kilometer bei der Suche nach seiner Familie. Kurz vor dem Sundowner ueberquert eine Herde von 200-300 Bueffeln das Flugfeld der Safaricamps, die Tiere sind fast zum Greifen nah. In der Dunkelheit sehen wir dann ein Loewenrudel auf das Wasserloch beim Camp anschleichen, dort scheint aber alles ruhig.

Das aendert sich in dem Moment, als wir beim Abendessen die Gabel Richtung Vorspeise senken: Ein lautes Bruellen, Michael, unser Guide, stuerzt herein, schreit nur "Lions killed a buffalo, blood is everywhere!" und rennt weiter Richtung Auto. Alle Gaeste und Kellner hinterher, wir stapeln uns im Wagen und heizen im Hoellentempo auf die andere Seite: Neun Loewen halten einen kleinen (400-500kg!), gerade getoeteten Bueffel am Boden und beginnen ihn aufzubrechen. Als wir eine halbe Stunde spaeter zu unserem Essen zurueckkehren, ist auch den sonst froehlich laermenden Norwegern flau im Magen, der Bueffel liegt direkt hinter unserem Wasserloch, 150 Meter vor unseren Huetten. Erst spaet in der Nacht vertreibt ein Nilpferd die Loewen aus unserem Blickwinkel.

Bueffelherde am Wasserloch

Am naechsten Morgen ist vom Bueffel nur noch wenig uebrig: Die zwei dominanten Loewenmaennchen sind eingetroffen und beissen ruecksichtslos die eigentlichen Jaeger weg. Wir begeben uns auf die Suche nach dem letzten der "Big 5", dem Leoparden, und werden am letzten Morgen gleich zweimal fuendig: Eine knapp ein Jahr alte Leopardin spielt begeistert mit einer ihrer ersten, eigenen Beutetiere, einem kleinen Mungo, spaeter begegnen wir ihrer Mutter, die sich noch auf der Jagd befindet. Die zwei Tage in Chitwa Chitwa waren wieder so prall gefuellt, dass sie fast als eigenstaendiger Urlaub empfunden werden.

Loewen beim Fruehstueck

22.-24. November: Dafuer faellt der naechste Tag zunaechst sehr stressig aus: Auf dem Weg vom Krueger ins Zululand an der Suedkueste muessen Kilometer gefressen werden. Zum Glueck sind die Strassen menschenleer: England gewinnt erst in der Verlaengerung gegen Australien den ersten Weltmeistertitel im Rugby. Am spaeten Nachmittag erreichen wir endlich Swaziland, das - Ausnahmen bestaetigen die Regel - bemerkenswert formlose und zuegige Grenzkontrollen hat, und lassen sogar noch die Hauptstadt Mbabane hinter uns, ehe wir Myxo's Place erreichen: Das erste Hostel, das von Swazis betrieben wird. Standesgemaess bewegen wir uns nur barfuss im Haus, auch wenn der Hausherr, Myxo Watanabe, sich den ganzen Abend auf der vergeblichen Suche nach weiteren Gaesten fuer sein Hostel befindet. Vielleicht auch deshalb vergeblich, weil kurz nach unserer Ankunft ein Gewitter dem Strom im Swaziland den Garaus macht. Jetzt koennen wir punkten: Dank unserer Stirnlampen ermoeglichen wir, dass wir die Zutaten fuer unser Traditional Swazi Dinner auch zu sehen bekommen und hinterlassen tiefe Begeisterung bei den drei anwesenden Kleinkindern aus Myxos Heimatdorf.

Am naechsten Morgen helfen wir Myxo noch bei der deutschen Version seines Flyers weiter, "they are target customers for me, man" (klingt ziemlich witzig aus dem Mund eines Rasta-Swazi, der ein Backpacker-Hostel fuehrt), bevor wir noch einen Abstecher in den Kunsthandel (mit schwerwiegenden Konsequenzen!) und in ein traditionelles Swazi-Dorf machen. Am fruehen Nachmittag verlassen wir Swaziland viel zu frueh Richtung Sueden und erreichen gegen Abend den Hluhluwe-Umfolozi (sprich: Chluschluwe-aUmfolosi oder so aehnlich) Nationalpark. Dort wurde praktisch im Alleingang das Nashorn vom Aussterben gerettet, aus einst nur noch 20 Tieren im Park sind heute ueber 2.000 geworden, ohne die in National- und Wildparks in aller Welt exportierten versteht sich! Kurz nach dem Parktor stauen sich die Fahrzeuge bereits, es herrscht faktisch Nashornschwemme: Kleine, grosse, nahe, ferne, wie haetten wir's denn gerne? Kein Wunder, dass wir bei der Fahrt am naechsten Tag uns bald auch mit den ebenfalls in Scharen auftretenden Giraffen beschaeftigen, die teilweise nur wenige Meter vom Wagen entfernt genuesslich an den Baumwipfeln kauen. Traurigen Herzens nehmen wir Abschied von unseren Safaris und brechen am spaeten Nachmittag nach St. Lucia, einem kleinen Touristenort am Meer auf...

Swazidorf


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            Stand: 25. Dezember 2003