Neuseeland Südinsel II (18. Februar - 25. Februar)

18. Februar: Queenstown Nach den wilden Fjorden sollte eigentlich gleich der nächste Höhepunkt folgen: Queenstown gilt dank seiner Lage zwischen Wildwasserflüssen, der tatsächlich bemerkenswerten lokalen Bergkette der "Remarkables" und den aberwitzigsten Extremsportarten als die Touristenattraktion der Südinsel. Dank Florians Brüder waren wir dem Shotover Jet ausgesetzt, einem Düsenboot, das mit aberwitziger Geschwindigkeit durch einen sehr engen Wildwassercanyon schießt und ab und zu sich aus voller Geschwidigkeit um die eigene Achse dreht. Ein Bungeesprung hätte den Vorteil gehabt, nach kurzer Zeit überstanden zu sein! Im Ernst, es war ein Heidenspaß und wir sind auch ordentlich nass geworden. Wie sonst in Queenstown auch, denn jetzt half auch unser bisher guter Draht zu Petrus nichts mehr: Es regnete sich langsam ein. Und so verzichteten wir leichten Herzens auf die Möglichkeiten, sich als menschliches Pendel einen Abgrund herunterzustürzen, in gigantischen Gummibällen eingesperrt einen Hügel herabzurollen oder mittels eines Luftschlittens einen Wildwasserfluss hinunterzutreiben.

15 Schafe je Einwohner

19./20. Februar: Fox und Franz Josef Gletscher Stattdessen machten wir uns auf die lange Fahrt über den Haast Pass an die Westküste, wo auf Höhe des Mt. Cook der Fox und der Franz Josef Gletscher (letzterer wirklich nach dem österreichischen Kaiser benannt) fast bis an die Küste reichen. So weit kommen die Gletscher nur, weil sie ungewöhnlich schnell sind: Bis zu drei Meter am Tag treibt das Eis das Tal hinab. Am nächsten Morgen lachte uns wieder die Sonne, Mt. Cook war zum Sonnenaufgang zu sehen und so folgten wir frohgemut unserer Bergführerin auf den Gletscher. Als einziger Teilnehmer hatte Florian trockene Füße: Die Schuhgröße 49 wird beim Verleih nicht so häufig nachgefragt. Mit Leihschuhen und passenden Steigeisen ausgerüstet stiegen wir nach einer Stunde Fußmarsch zum Gletscher ins Eis ein. Um uns herum brachte die Sonne die Gletscherzunge zum Krachen und Knistern. Diese beunruhigenden Geräusche legten sich weiter oben, hier war bald nur noch unser Schnaufen zu hören, als wir zwischen den mächtigen Eiszacken und einigen Spalten im Eis herumkletterten. Das Eis nahm mit zunehmender Höhe einen immer tieferen Blauton an und schimmerte magisch im Sonnenlicht. Wie zu erwarten setzte der Regen genau dann wieder ein, als wir in den Bus für die Rückfahrt stiegen.

21. Februar: Westport Am gleichen Nachmittag brachen wir noch weiter in den Norden nach Westport auf, immer entlang an der spektakulären Küste mit bizarren Kalksteinklippen. Dort erwartete uns mit Beaconstone eines unserer schönsten Hostels in Neuseeland: Ein nach streng ökologischen Prinzipien aufgebautes Haus, das dennoch den Reisenden allen Luxus bietet. Zum Abendessen durften wir Gemüse aus dem Garten holen und von der Außendusche überblickt man das umliegende Land. Als dann auch noch der Nachbar, ein Berliner Wirt eines Restaurants mit dem unglaublichen Namen "Jack's Gasthof Pizzeria", mit original Schwarzbrot nach deutscher Backmischung aufwartete, war unser Glück vollkommen.

22. Februar: Kaikoura Gestärkt von diesem kleinen Paradies querten wir am nächsten Tag die Insel und ergatterten noch am Abend einen der heiß begehrten Plätze zum Schwimmen mit den Delphinen in Kaikoura für den nächsten Morgen. Jeden Tag dürfen maximal drei Boote je 13 Schwimmer in der Nähe der Delphine ins Wasser lassen. Zuvor wurde uns in einem Lehrfilm noch eingetrichtert: Nicht der Delphin unterhält den Menschen, die Menschen sind zur Unterhaltung der komplett wilden Tiere da! Und das bedeutet, dass man als Schwimmer um Aufmerksamkeit buhlen muss, durch Tauchen, Kreiseln mit Augenkontakt und Singen. Jawohl, Delphine lieben singende Menschen unter Wasser!

Mount Cook im Morgenlicht

Wir boten sicher einen kuriosen Anblick, als wir kurz vor der Herde von 350 Delphinen ins Wasser glitten und durch unsere Schnorchel die wildesten Arien abließen. Aber es hat funktioniert: Schon bald umschwirrten uns die ersten neugierigen Tiere, schossen von hinten so nahe an uns vorbei, dass wir sie hätten berühren können. Jetzt Augenkontakt und Kreiseln: Nach drei Umdrehungen wird es dem Menschen schwindlig, der Delphin schwimmt grinsend davon.
Wir hätten es vorher nicht gedacht, aber die insgesamt halbe Stunde im Wasser gehört sicherlich zu den schönsten, die wir je verbracht haben. Während wir uns bei heißer Schokolade und Keksen an Bord wieder erholen, legen unsere neuen Freunde erst richtig los: Salto, Schraube, Rückwärtssalto, Hochsprung, das ganze Sportprogramm. Zurück an der Küste beobachten wir noch die Seelöwen in der Sonne und verputzen leckere Muscheln zum Mittagessen. Ein Fehler, denn bei der Weiterfahrt nach Norden treffen wir kurz nach Kaikoura (Maori Wort für "Hummer essen") auf die Fastfood Buden, die "Hummer mit Fritten" anbieten, eine sicherlich einmalige kulinarische Attraktion.

Im Franz Josef Gletscher

23./24. Februar: Nordwestspitze Nach einem Abstecher in die Weinregion von Cloudy Bay stoßen wir noch einmal ganz in den Nordwesten der Südinsel vor. Nördlich der Küstenstadt Nelson erstreckt sich die Halbinsel mit dem berühmten Abel Tasman Nationalpark. Hier unternehmen wir eine herrliche Tageswanderung an schönen Stränden entlang und durch dichte Farnwälder hindurch. Für den Rückweg steigen wir in einen der zahlreichen Wasserbusse entlang der Bucht und genießen den Ausblick auf die Sandküste. Am nächsten Tag wird es Zeit zur Umkehr und wir legen einen langen Fahrtag bis zum Marlborough Sound und dem Fährhafen Picton ein.

25. Februar: Picton und Fähre Picton selbst ist eine typische Drehscheibe mit genug Abwechslung, um den Passagieren die Wartezeit auf die nächste Fähre in zwei Stunden etwas zu verkürzen. Deutlich spannender ist die Fahrt in dem gewaltigen Schiff durch den einsamen Marlborough Sound und dann weiter hinaus in die Cook Straße, die die Tasmanische See vom Pazifik trennt. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Wellington auf der Nordinsel Neuseelands.

Sonnenschein in der Weinregion


Hier geht es weiter auf Neuseelands Nordinsel, hier zurück zu den Tagebuchseiten.


            Stand: 4. Mai 2004