Neuseeland Südinsel (8. Februar - 17. Februar)

8./9. Februar: Christchurch Wie fremd war uns unsere Welt geworden! Die ersten Tage in Neuseeland müssen wir ein komisches Bild abgegeben haben: "Schau mal, ein grüner Rasen! So wenig Leute hier... Und so ruhig?" Kurzum, wir hatten nach dem Trubel, dem Staub und der Hitze Asiens einen richtigen Kulturschock. Der botanische Garten von Christchurch (wirklich schön!) erschien uns wie ein stilles Paradies auf Erden, die Bedienung, die so gut Englisch verstand, wie die herzlichste Gastgeberin.
Allerdings erwartete uns noch eine weitere Ueberraschung. Stolze Besitzer eines Mietwagens fuhren wir am ersten Abend an einem Hostel vor, nur um festzustellen, dass keine Zimmer mehr frei waren. Das war uns seit Malaysia nicht mehr passiert! Nachdem wir zehn weitere Hostels angerufen hatten, fanden wir endlich ein Zimmer. Es war Hauptsaison in Neuseeland und wir lernten sehr schnell, dass eine Woche Vorausplanung nötig war, um an den schönen Orten seine Zeit verbringen zu können. Erleichtert stellten wir gleichzeitig fest, dass die Herbergen in Neuseeland auf hervorragenden Niveau sind: Die zum Reflex gewordenen Kontrollen auf Kakerlaken, Wanzen oder vergammelte Badezimmer konnten wir uns wieder abgewöhnen.
Neben unserer kindlichen Begeisterung für den Luxus westlicher Zivilisation beeindruckte uns Christchurch mit seinen original englischen Punts (Stakboote für Oxbridge) und vor allem mit seinem Antarktis Zentrum: Die größte Stadt der Südinsel Neuseelands ist auch Basisstation für viele Antarktis-Forscher und versorgt mehrere Stationen rund um den Südpol. Mittels Windmaschine und künstlichem Schnee wird für die Besucher alle Viertelstunde Schneesturm gespielt, die minus 18 Grad waren für uns Tropenbewohner natürlich ein echtes Erlebnis.

Very British

10./11. Februar: Mt. Cook Wie konnten wir ahnen, dass wir zwei Tage später tatsächlich in einem Eiswind stehen würden? Aber alles der Reihe nach: Bei strahlendem Wetter machten wir uns in aller Früh zur Höhenstraße über Christchurch auf, wo wir die weite Ebene östlich der neuseeländischen Alpen überblickten. Nach einem Abstecher auf die Halbinsel von Akaroa, dem knapp gescheiterten Versuch Frankreichs, New Zealand zu Nouvelle Zeelande zu machen, fuhren wir weiter in Richtung Süden, was, wir sollten unsere geneigten Leser erinnern, auf der Südhalbkugel die kalte Richtung ist. Noch vor Sonnenuntergang standen wir vor den unglaublich türkis-hellblauen Wassern des Lake Tekapo, hinter dem sich der Mount Cook, der mit 3750 Metern höchste Berg Neuseeland, erhebt. Wir verbrachten die Nacht kurz vor den Toren des Nationalparks.

Am nächsten Morgen konnten wir eines unserer Hochzeitsgeschenke einlösen (1000 Dank an die Physiker, wir haben uns doch gegen das Gourmet-Insektenessen entschieden...): Ein Rundflug über Mount Cook und seine Gletscher. Eine Stunde lang wurden wir gnadenlos vom Wind gebeutelt, zum Glück hielten unsere Mägen, während uns die Augen angesichts der bizarren Eisstrukturen und gewaltigen Berge übergingen. Auf leicht wackeligen Beinen ging es weiter zum Fuß des Berges, wo wir zu einer Wanderung ins Hooker Valley aufbrachen. Ziel war die Zunge des Hooker Gletschers, der einzelne Eisberge in einen See kalbt. Durch das enge Tal pfiff uns derselbe Sturm um die Ohren, der uns schon 3000 Meter weiter oben so durchgeschüttelt hatte; teilweise so stark, dass wir uns in den Wind legen konnten. Am Gletschersee zeigte unser Reisethermometer (auch ein super Hochzeitsgeschenk!) Minusgrade an, und wir konnten es einfach nicht fassen. Es war später Nachmittag, als wir uns auf den Weg weiter in den Süden, Richtung Dunedin, machten.

12. Februar: Dunedin, Otago Peninsula Die Kleinstadt Dunedin diente uns als Ausgangspunkt für die Otago-Halbinsel, eine der tierreichsten Regionen Neuseelands. Tierreich bedeutet in Neuseeland immer Meeressäuger oder Vögel, denn die ersten Landsäuger (Ratten) kamen erst mit der Ankunft der Maoris vor rund 600 Jahren auf die Inseln. Diese und die von den Europärn später importierten Oppossums, Frettchen und Wiesel vernichten seitdem so gründlich die Raubtieren vollig hilflos gegenüberstehenden einheimischen Vögel, dass viele Arten ausgerottet und zahllose weitere schwer bedroht sind. Neuseeländer sehen es als ihre tägliche Pflicht an, eines der 70 Millionen Oppossum (18 je Einwohner!) zu überfahren, dementsprechen sehen die Straßen aus.

Lake Tekapo

Auf der Otago Halbinsel lagen wir zwar vergeblich eine Stunde auf der Lauer, um Gelbaugen-Pinguine zu sehen, wurden dann aber kurz vor Sonnenuntergang belohnt, als wir aus einem weiteren Verdeck die weltweit einzige Festlandkolonie von Albatrossen beobachteten. Es ist kaum zu glauben, aber die Spannweite dieser bis zu einem Meter langen Vögel übertrifft mit über drei Metern die von Florian bei weitem. Die jungen Vögel spielten im Abendwind, während unten am Boden die frisch geschlüpften Küken ihre täglichen Kilo Fisch verzehrten. Die lokalen Ranger verrieten uns noch, dass am nahe gelegenen Strand kurz nach Sonnenuntergang kleine Blaupinguine landen. Und so bibberten wir noch eine weitere Stunde in der Kälte, bevor wir belohnt wurden: Eine Albatrosslänge von uns entfernt watschelte die Parade der kleinen Hüpfer, äugte immer wieder misstrauisch ins Spalier der wartenden Touristen und lief dann schnell weiter die Küste hinauf ins schützende Nest.

13./14. Februar: Southern Scenic Route Die nächsten zwei Tage umrundeten wir die Südspitze Neuseelands. An der Küste gab es immer wieder phantastische Aussichtspunkte, Strände voll mit Seelöwen und dem Wetter entsprechend schwere See. Im Hinterland stößt man auf dichte Regenwälder, die außer ihrer Feuchtigkeit nichts mit dem Dschungel der Tropen gemein haben. Urtümliche Riesenfarne, phantastisch verrenkte Bäume und immer wieder dunkle Waldseen und Wasserfälle sorgen für eine gespenstige Stimmung. Am Slope Point, der Südspitze der Südinsel waren wir der Antarktis am nächsten. Angesichts der trotz Hochsommers dort herrschenden kühlen Temperaturen entschieden wir uns, ab sofort wieder weiter nach Norden, zum Äquator zu fahren. Schon am nächsten Strand wurden wir für diese Entscheidung belohnt: Zunächst wackelten vor unseren Augen zwei der seltenen großen Gelbaugen-Pinguine ins Wasser, dann konnten wir in der nächsten Bucht zwei Hektor-Delphine beim morgendlichen Fischen beobachten. Abends kamen wir erschöpft in Te Anau, der Ausgangsstadt für das Fjordland Neuseelands, an.

Südspitze

15.-17. Februar: Fjordland Petrus meinte es sehr gut mit uns: Während in diesen Tagen die Nordinsel die schlimmste Flut seit Beginn der Wetteraufzeichungen in Neuseeland ertragen musste, hatten wir immer dann unerhört schönes Wetter, wenn wir an der frischen Luft unterwegs waren, und Regen nur dann, wenn wir lange Strecken im Auto zurücklegen mussten. Zu unserem Erstaunen blieb uns unser Glück auch noch in den Fjorden an der Westküste Neuseelands treu, die mit jährlich 6000 Litern je Quadratmeter zu den feuchtesten Regionen der Erde gehören. Einheimische versicherten uns, dass der Rekord bei 600 Litern in zwölf Stunden stehe, das entspricht fast der jährlichen Niederschlagsmenge von München! Und bei uns: Strahlender Sonnenschein bei unserer Kreuzfahrt im grünen Doubtful Sound, die Delphine spielen vergnügt im herrlich klaren Wasser, die meisten Wasserfälle sind nur noch Rinnsale. Am nächsten Morgen dann wirklich Regen, aber als wir am Nachmittag zu einer kurzen Wanderung aufbrechen, gibt es höchstens noch einen leichten Schauer zwischendurch. Wir genießen wunderbare Rundblicke in die von Gletschern während der letzten Eiszeiten zerfressene Landschaft.

17. Februar: Milford Sound Auf den Höhepunkt im Fjordland mussten wir lange warten: Die fünf Tauchplätze täglich waren lange im voraus ausgebucht. Das Warten hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Wie alle Touristen bewundern auch wir die engen Felswände, die bis zu 700 Metern steil aus dem Wasser emporragen und dann weiter zu bis zu 2000 Metern hohen Bergen ansteigen. Wir staunen über die Delphine und Pinguine und freuen uns am Sonnenlicht. Dann geht es allerdings ab ins mit 11 Grad eiskalte Wasser. Durch die heftigen Regenfälle bildet sich oberhalb des Salzwassers eine 3 bis 15 Meter dicke Schicht aus Regenwasser, an der Oberfläche ist es beinahe trinkbar. Während wir abtauchen ist unsere Sicht gleich Null, doch nach wenigen Metern wird es auf einmal wieder klar und wir sehen 20 Meter weit in das jetzt sehr düstere Meerwasser.

Milford Sound

Aufgrund dieser einmaligen Lichtverhältnisse sehen wir auf 15 bis 20 Metern Tiefe schon Korallen und Lebewesen, die normalerweise erst in Tiefen ab 50 Metern beobachtet werden können. Vor allem staunen wir über schwarze Korallen. Schwarze Korallen sind weiß. Das ist jetzt kein Widerspruch, denn die lichtempfindlichen Polypen um den schwarzen Korallkern herum sind strahlend weiß, und so gleiten wir unter Wasser durch eine Landschaft, die aussieht, als wäre sie von kristallenem Rauhreif überzogen. Ein Teppichboden-Hai huscht am Boden vorbei, Schwärme von blauen Mokis beäugen uns dick in Neopren verhüllte Gestalten etwas kritisch. Eine Schrecksekunde gibt es, als Evas Brillenband plötzlich reißt, doch sie kann ihre Maske wieder auffangen und tauscht sie mit dem Tauchlehrer, der die Gruppe anführt. Bibbernd, doch völlig begeistert schlürfen wir nach dem Auftauchen unsere heiße Suppe und sind wirklich dankbar für die wärmenden Sonnenstrahlen.


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            Stand: 30. März 2004