Nord-Thailand (27.12 - 1.1)

27. Dezember: Wir waren ziemlich begeistert von unserem Bus: Doppeldecker, wir oben in der ersten Reihe Abendessen und Fruehstueck sowie dicke Decken wurden gestellt. Leider bedeutete unser Platz in der ersten Reihe auch die geringste Entfernung zum Fernseher, wo abwechselnd Kung-Fu Filme und Thai-Pop in Karaoke-Version gezeigt wurden. Gegen die grell bunten Farben von Thai-Pop Videos helfen auch Schlafbrillen nur bedingt. Zum Glueck drehte der Busfahrer um zwoelf den Fernseher ab, so dass wir noch ein paar Stunden Schlaf fanden, bevor wir um kurz vor fuenf auf den dunklen Busbahnhof von Chiang Mai geworfen wurden. Unsere erste Erkenntnis: Kalt! 1000km noerdlich von Bangkok und Bergland machen sich sehr bemerkbar. Unser zweiter Eindruck nach weiteren vier Stunden Schlaf im Hostel: Eine wirklich angenehme Stadt. Nach der Hoelle von Bangkok wirkt die zweitgroesste Stadt Thailands (50 Mal kleiner als Bangkok, da kann selbst Frankreich nicht mithalten) wie eine ruhige Kleinstadt mit huebschen Tempeln und einer Altstadt, die auch heute noch durch eine Stadtmauer und Wassergraben von den Aussenvierteln abgetrennt ist. Sogar die TukTuk-Fahrer scheinen Woerter wie "Nein, danke" oder "Jetzt nicht" zu verstehen.

Auf dem Elephanten

28. Dezember: Die Naehe zu eindrucksvollen Bergen und den dort lebenden Bergvoelkern hat Chiang Mai zu einem Zentrum von Trekking-Tourismus werden lassen. Jeder zweite Laden auf der Hauptstrasse preist 1-2-3-5-10 Tagestouren durch garantiert unberuehrtes Hinterland mit garantiert bequemen Unterkuenften sowie urspruengliche Bergfuehrer mit perfekten Englisch- und Kochkenntnissen an. Nun ja, wir hatten uns bereits in Bangkok auf drei Tage eingelassen und wackelten am spaeten Vormittag gemeinsam mit elf weiteren Touristen unserem ersten Hoehepunkt entgegen: Elephantenreiten! Was wie Tierquaelerei klingt, ist seit der Einfuehrung von LKW als Transportmittel die einzige Ueberlebenschance fuer domestizierte Elephanten und ausserdem ein Heidenspass. Ueber ein Bambusgeruest klettert man zunaechst auf den Hals, dann auf den Sitz und sorgt mit vorher besorgten Bananen und Zuckerrohr dafuer, dass dem Elephanten zwischendurch nicht der Sprit ausgeht.

Nach einer wackeligen Stunde durch Stock und Stein vertrauen wir wieder unseren eigenen Beinen und wandern zum Mittagessen an einen Wasserfall. Danach wirds muehsam: Bei strahlend blauem Himmel und ueber dreissig Grad erklimmen wir die ersten Huegel des Berglandes, waehrend der Verschnaufpausen demonstrieren unsere Fuehrer mit grosser Begeisterung, wie selbst Maden und Ameisen mit ein wenig Liebe schmackhaft zubereitet werden koennen. Wir verzichten dankend und warten auf unser Chili abends am Lagerfeuer, wo die versammelte Dorfjugend vom Volk der Karen uns ihre Volkslieder vortraegt. Danach muessen die Trekker ran und den Kinder vorsingen: Die Kanadier versuendigen sich an ihrer Nationalhymne, die Amerikaner an Tom Dooley und wir entscheiden uns fuer "Alle meine Entchen", weil die Kinder die animierte Fassung besser nachmachen koennen.

29. Dezember: Es war bitter, bitter, kalt. Wir uebernachteten in einem offenen Langhaus und die versprochenen warmen Schlafsaecke hatten eine Komfortzone von minimal 25 Grad. Wir hatten fuenf Grad, viel zu wenig Decken und einen schnarchenden Mitbewohner. Wie meinte der Amerikaner: "My worst 10 nights, this one goes right in there". Langsam tauen wir am Feuer auf, die ersten Kannen heisses Wasser sind im Nu wieder leer. Nach dem Fruehstueck entscheidet sich die Haelfte der Gruppe zur Umkehr, wir sind der Meinung: Halbe Anzahl Leute, doppelte Anzahl Decken und machen weiter. Zwei Stunden Trecking durch ruhige Huegel, einsame Doerfer, in denen Schweine vor uns Reissaus nehmen und Kinder mit grossen Kulleraugen verstohlen gucken. Nach dem Mittagessen in einem winzigen Dorf aus einem gewaltigen Kochtopf steigen wir herab in ein Tal, wo Reisfelder und Wasserbueffel auf uns warten. Spaet am Nachmittag erreichen wir unser Zuhause fuer diese Nacht: ein Dschungelcamp mit mehreren einfachen Bambusbungalows, der Wasserfall fuer die eiskalte Dusche ist um die Ecke. Das gruene Curry schmeckt uns atemberaubend gut am Lagerfeuer und um acht Uhr abends sind wir alle reif fuer unsere duennen Decken.

Karen-Kinder am Lagerfeuer

30. Dezember: Diesmal konnten wir tatsaechlich etwas schlafen. Der Trick war, die Decken in die Schlafsaecke zu stopfen, damit sie nicht verrutschen. Dennoch schleppen wir uns in der Frueh zum Feuer, um die Gelenke aufzutauen. Am Feuer demonstriert Guide "Buffalo Bill" gerade, die Technik zum Entweiden und Grillen von Ratten, die wir schon immer lernen wollten. Nur Toast und Tee fuer uns bitte! Kaum trifft die 2-Tages-Tour ein, brechen wir gemeinsam auf zum letzten Abstieg zurueck zu unseren Autos und dem Ausklang der Tour: Rafting auf Bambusfloessen. Diese Disziplin beherrschen wir dank eingehender Punting-Erfahrung in Oxford natuerlich blendend, auch wenn unser Floss von Anfang an 5cm unter statt ueber Wasser treibt. Die warme Dusche zurueck in Chiang Mai war jedenfalls heiss ersehnt! Wieder aufgewaermt bummeln wir noch den ganzen Abend und die halbe Nacht ueber den unglaublichen Nachtmarkt von Chiang Mai, wo die verschiedenen Bergvoelker ihr Kunsthandwerk und zahllose weitere Haendler von der Sicherheitsnadel bis zum Buddha in Lebensgroesse alles verkaufen.

Trecking im Karen-Gebiet

31. Dezember: Nach den Strapazen der letzten Tage wollten wir den Silvestertag ganz geruhsam in Chiang Mai verbringen und geniessen den Bummel durch die Buchlaeden und Geschaefte der Stadt. Auf Anraten unserer Mit-Trecker goennen wir uns auch noch etwas Wellness fuer das neue Jahr: Zwei Stunden Kneten, Oelen und Pinseln und schon sehen wir aus wie frisch aus dem Ei gepellt. Definitiv passend fuer unser Silvesterdinner am Ufer des Flusses. Diesmal ueberlisten wir auch die thailaendische Tradition, von Suppe bis Dessert alles gleichzeitig zu servieren und halten uns und unsere Maegen durch fortlaufende Bestellungen bis Mitternacht warm. Schon eine Stunde zuvor steigen langsam Papierballons in langen Ketten zu Hunderten in den Abendhimmel, puenktlich zum Gongschlag brechen dann ueberall in der Stadt die Feuerwerke los und der ganze Fluss scheint zu brennen. Darauf einen Thai-Sekt und ein glueckliches Jahr 2547 (nach Buddhas Erleuchtung...)!

1. Januar: Noch nie, wirklich noch nie sind wir an Neujahr um halb acht Uhr aufgestanden! Und dieses eine Mal nur unter Protest. Im Minibus nach Chiang Kong an der Grenze zu Laos erwarten uns eine Reihe aehnlich unausgeschlafener und verkniffener Gesichter. Nach den obligatorischen Fruehstuecks- und Lunchpausen taut die Stimmung etwas und wir lernen Veerle und Corentin kennen, ein franzoesisch- belgisches Paar auf Weltreise. Uebrigens treffen wir staendig und ueberall Weltreisende, ihr duerft es uns also ruhig nachmachen: Ihr seid nicht allein! Von Chiang Kong gibt es ausser der Tatsache, dass es dort funktionierende Telephonzellen fuer Neujahrsgruesse gibt, wenig zu berichten. Aber abends, waehrend wir gerade einen Bananenpfannkuchen vertilgen, werfen wir schon mal einen Blick auf den Mekong und hinueber nach LAOS...

Frohes neues 2547!


Hier geht es nach Laos, hier zurueck zu den Tagebuchseiten.


            Stand: 11. Januar 2004