New York (20.-23. April)

20. April Fast hätten wir unseren Flieger verpasst! Dabei waren wir zwei Stunden vor Abflug beim Check-In und saßen gemütlich in der Nähe unseres Schalters. Die Monitore zeigten für unsere Maschine immer "on time" an. Merke: Im Domestic Terminal von LA steht auf Monitoren nie "check-in" oder "final call". Außerdem sind viele Lautsprecher defekt. Als Florian eine Viertelstunde vor der Abflugzeit lässig am Schalter nachfragt, wann denn das Einsteigen beginne, werden wir schon schmerzlich vermisst: Wir sind die letzten noch fehlenden Passagiere! Zum Glück ist der Flieger so leer, dass wir vor den tödlichen Blicken der übrigen Passagiere in eigenen Reihen in Deckung gehen können. In New York angekommen beglückwünschen wir Alex nochmal zu seinem Tipp priceline.com: Unser zugeteiltes Hotel liegt gegenüber der Carnegie Hall, zwei Blocks vom Central Park, sechs Blocks vom Times Square und kostet 20% des im Schrank angeschlagenen Preises. Trotz der kurzen Nacht im Flieger stürzen wir uns gleich in den Trubel: Downtown!

Ad Astra!

Zum Erstaunen aller Touristen ist New York eine Stadt, die sich ganz hervorragend zu Fuß entdecken lässt. Wir beginnen unseren Stadtbummel am Sitz des Bürgermeisters und bewundern das Woolworth Building, das von 1913 bis 1930 das höchste Gebäude der Welt war und heute ganz im Schatten mächtigerer Nachbarn steht. Danach überqueren wir den Hudson auf der Brooklyn Bridge und bewundern von Brooklyn Heights aus das Panorama Manhattans, ehe wir uns auf den Rückweg machen. Die Stelle des ehemaligen World Trade Centers ist inzwischen mit einem gewaltigen Bauzaun umschlossen, bereits 2006 soll der Rohbau des neuen "Freedom Tower" stehen. Am Zaun hängen Tafeln zur Geschichte des Areals und des World Trade Centers sowie die schier endlosen Listen der Ermordeten. Aus den Trümmern der Gebäude wurde das Kunstwerk "Spheres" schwer beschädigt geborgen, es steht jetzt im Battery Park an der Südspitze Manhattans. Eine Flamme brennt zum Andenken an die Opfer. Nachdenklich steigen wir in eine der Fähren zur Freiheitsstatue. Seit dem Terroranschlag darf die Statue nicht mehr betreten werden und so können wir sie nur von außen bewundern. Viel mehr zu sehen und zu begreifen gibt es auf Ellis Island, wo wir leider viel zu wenig Zeit haben, die Geschichte und Geschichten der bis zu 9.000 täglichen Immigranten zu sehen und anzuhören. Die letzte Fähre bringt uns vor dem großartigen Panorama der Wolkenkratzer zurück nach Manhattan.

21. April Heute bleiben wir in unserer direkten Umgebung, in Midtown. Wir bummeln die Fifth Avenue herunter, bestaunen die Kunstwerke im Rockefeller Center und das Chrysler Building. Nach einem Sandwich im Park der großen Public Library fühlen wir uns gestärkt für den Aufstieg zum Empire State Building. Im eiskalten Wind der Aussichtsplattform sieht man herunter auf die übrigen Wolkenkratzer und versucht, die einzelnen Spitzen, Parks und Straßen im endlosen Meer aus Stein und Grün zuzuordnen. Ziemlich blau gefroren machen wir uns auf den Weg nach unten und bummeln die Madison Avenue zurück nach Norden.

Abends trafen wir uns mit Artur Erbe, der seit über zwei Jahren an den Bell Labs im benachbarten New Jersey forscht. Nach einer kräftigenden Suppe und viel Neuigkeiten auf beiden Seiten machten wir uns auf den Weg ins Village, dem Viertel der Studenten und Künstler. Auf dem Weg kamen wir wieder am Empire State Building vorbei, das zur Feier des Earth Day grell grün illuminiert war. In einem kleinen, französisch angehauchten Café trafen wir uns mit einigen Freunden von Artur. Auf der Karte stehen Jever Pils und Houfbrau Weisse Bier, leider aus, wie uns der Kellner versichert. Man sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass es sich im Gegenteil zu Stella Artois nicht um französische Biere handelt. Nun ja, es sind noch zwei Tage bis München und zum Wohle aller Biertrinker, die nach uns kommen, verkneifen wir uns die Aufklärung über die territoriale Eigenständigkeit Belgiens und genießen das Flair des Viertels. Nach einem letzten Absacker um die Ecke unseres Hotels verabschiedet sich Artur und wir fallen schlaftrunken in unser Bett.

Frohe Ostern von Herrn Rockefeller!

22. April Wenn schon verschlafen, dann richtig. Dabei ist heute ein wunderbar warmer Tag, zum ersten Mal seit unserer Ankunft sind die Wolken am Himmel klein und weit entfernt. Das beste Wetter also, um im Central Park zu bummeln. Auf den Baseballfeldern herrscht Hochbetrieb: Die Musical-League ist im vollen Gang, gerade ist "Fiddler on the Roof" dabei die "West Side Story" aus dem Stadion zu schlagen. Wir schlendern weiter und sind verblüfft wie auf einmal der Lärm der Autos durch das Schreien von Kindern und Singen von Vögeln abgelöst wird. Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch ins Metropolitan Museum, aber ein kurzer Blick auf den Lageplan macht uns schläfrig: Zu groß, zu viel für einen Tag, lieber legen wir uns noch ein bißchen in die Sonne.

Empire State Building in Grün

Jetzt ist er also erreicht, der Punkt, vor dem uns so viele gewarnt hatten: Touristische Lustlosigkeit. Aber wir finden, dass wir uns das zwei Tage vor der Rückkehr schon leisten können. Zudem man im Central Park die besten Charakterstudien der New Yorker anfertigen kann: Die älteren, häufig gelifteten Damen der Upper East Side führen ihre nicht minder herausgeputzten Dackel spazieren, die Jogger leisten sich weder einen Blick zur Seite noch einen Schweißtropfen und werden von allerlei kurz vor dem Durchbruch stehenden Künstlern mit Verachtung gestraft.
Für den letzten Abend gönnten wir uns noch zwei Plätze in Mel Brooks herrlich komischen und politisch schwer inkorrekten Erfolgsmusical "The Producers", in dem zwei jüdische Produzenten entgegen ihrer Planung ein Musical über Hitler zum Erfolg am Broadway führen. Sehr beschwingt feierten wir den Abschluss unserer Reise in der Bar "The View" am Times Square, die sich im 47. Stock in einer Stunde einmal um ihre Achse dreht und einen unglaublichen Blick über die nächtliche Stadt bietet.

23. April Nur wenige Stunden blieben uns noch vor unserem Rückflug nach München am frühen Abend. Den Vormittag nutzten wir zu einem Besuch des in Spiralform gebauten Guggenheim Museum, das im Gegensatz zu den gewaltigen Museum of Modern Art und Metropolitan Museum sehr angenehm in zwei bis drei Stunden zu besichtigen ist. Am Nachmittag schlenderten wir durch das Einkaufs- und Kunstviertel SoHo, um auch den letzten Schrei noch gesehen zu haben. Als wir gegen acht Uhr abends Richtung München starteten, zuckten wir erst einmal beide zusammen, als sich der Pilot im breiten Oberbayerisch an die Passagiere wandte und ihnen einen guten Flug wünschte.

Freiheitsstatue


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            Stand: 10. Mai 2004