Laos (2. Januar - 9. Januar)

2./3. Januar: Frisch war es am Morgen, als wir in unsere Faehre klettern, die uns hinueber nach Laos bringt. Einen Stempel in Thailand, einen Stempel fuer Laos und ein dickes Kreuz fuer den schoenen Visastempel und wir sind in der Demokratischen Volksrepublik Lao, einem der aermsten und angeblich schoensten Laender der Welt. Auslaendische Entwicklungshilfe macht 15 Prozent des Bruttosozialproduktes aus, fuer zehn Dollar bekommt man 2cm dick Geldscheine in die Hand gedrueckt. Weite Teile des Landes sind noch immer unpassierbar aufgrund der Bombenlast aus dem Vietnamkrieg, als das oestliche Laos den "Ho-Chi-Minh-Pfad" bildete und die Amerikaner in einem nie erklaerten Krieg von 1965 bis 1973 im Schnitt kontinuierlich alle 8 Minuten eine Ladung Bomben ueber Laos abwarfen.

Boote am Mekong

Kein Wunder, dass die Fluesse und damit vor allem der maechtige Mekong die wesentlichen Verkehrsadern bilden. Die naechsten zwei Tage werden wir auf einem umgebauten Frachtkahn den Mekong hinunter fahren. Ziel ist die alte Koenigstadt der Lao, Luang Prabang, seit rund zehn Jahren von der UNESCO komplett zum Weltkulturerbe erklaert. Die Fahrt auf dem Mekong ist wie eine Fahrt zurueck in verwunschene Zeiten: Fischer, die in kleinen Holzkaehnen ihre Netze auswerfen und Reusen leeren, Bauern, die das Wasser zum Reis- und Gemueseanbau in Eimern aus dem Fluss tragen und immer wieder kein Anzeichen von Menschen oder Tieren fuer viele Kilometer. Stromschnellen, die unseren Kahn so aufwuehlen, dass der Kapitaen befiehlt, die Rucksaecke von Back- nach Steuerbord zu schichten, bizarre Felsformationen am Ufer und ein kalter Wind, der uns die ganze Fahrt ueber begleiten wird. Die Nacht verbringen wir in einem kleinen, staubigen Dorf, das gelernt hat, die bis zu fuenfzig Touristen pro Tag mehr schlecht als recht mit neuen Bananen, Keksen und Wasser zu versorgen. In dichtem Nebel und bitterer Kaelte brechen wir wieder auf, sobald die Sonne sich zeigt, beginnt der Kampf um die wenigen Plaetze mit Licht und Waerme. Gegen halb fuenf Uhr weist eine Mitreisende ploetzlich aufs Ufer und meint: Wir sind da! Aha, diese Ansammlung von Haeuschen soll das stolze Luang Prabang sein?

4.-6. Januar: Wir hatten die Einwohnerzahl ueberlesen: Nur 16.000 Einwohner machen Luang Prabang dennoch zu einer der groessten Staedte von Laos. Die Stadt hatten wir vom ersten Augenblick in unser Herz geschlossen: Verfallende Villen aus der franzoesischen Kolonialzeit saeumen die zahllosen Tempel der Stadt, in denen die orange gekleideten Moenche wohnen und beten. Zahllose franzoesische Touristen sorgen fuer eine rekordverdaechtige Dichte an Cafes und erstklassigen Restaurants mit vorzueglichen Pain au chocolat oder rillettes. Nach einer Nacht im Kuechenzimmer beziehen wir auch das Starzimmer unseres Gaestehauses mit altem Teak-Fussboden und hellem Blick ueber die Strasse. Den ersten Tag laufen wir nur staunend im Herzen von Luang Prabang umher: Ueberall verstecken sich alte Buddhastatuen, praechtig verzierte Boote fuer das jaehrlich Rennen auf dem Mekong zu Ehren des Beginns der Regenzeit. Immer wieder werden wir von Novizen angesprochen: Sie wollen ihr Englisch verbessern, damit sie spaeter einmal im Tourismus arbeiten koennen. Einer von ihnen empfiehlt uns, am naechsten Morgen den traditionellen Almosengang der Moenche zu beobachten, bei denen die Bewohner der Stadt den Moenchen Reis oder eine kleine Gabe in ihre Toepfe legen. Dichter Nebel liegt noch in den Strassen, als die orangenen Kittel des Klosters sichtbar werden, das den rituellen Gang anfuehrt. Die Moenche und Novizen gehen traditionell barfuss, was bei den Aussentemperaturen sichtbar ein Bussgang ist. In langen Reihen stehen und knien die Einwohner am Strassenrand und legen jeweils ein paar Koerner Reis in die Toepfe. Der eigene Vorrat muss fuer viele hundert Moenche und die eigene Familie reichen.

Die naechsten Tage geniessen wir das ruhige Leben in der Stadt. Ein Ausflug fuehrt uns den Mekong hinauf zur Hoehle der Buddhas, in der tausende von ueberzaehligen Buddhastatuen aus den letzten drei Jahrhunderten deponiert wurden. In der oberen Hoehle gibt es keine Beleuchtung, die zahllosen, teilweise vermoderten Statuen werfen im Schein unserer Stirnlampen gespenstige Schatten. Auf dem Rueckweg lassen wir uns auf der Luang Prabang gegenueberliegenden Seite aussetzen und ein kleiner Novize zeigt uns dort eine weitere, noch viel tiefere Hoehle, in deren Nischen einige grosse Holz-Buddhas sich langsam zersetzen. Zurueck am Fluss findet sich keine Spur von der versprochenen Faehre. Wir stolpern am Ufer entlang, bis Florian den Matsch unterschaetzt und bis zum Unterschenkel im Schlamm versinkt. Sein Fluchen weckt einen doesenden Fischer, der nach einem kurzen Lachanfall und etwas Zeichensprache sich grinsend bereit erklaert, uns fuer die fuer ihn astronomische Summe von 10 Cent ueberzusetzen.

Buddhas in Luang Prabang

Am letzten Tag, Heilig Dreikoenig, heuern wir nach einem Morgenbummel und ausgiebigen Einkaeufen am Markt ein TukTuk an, das uns nach Khuang Si bringt, den 60 Meter hohen Wasserfaellen, die in mehreren azurblauen, natuerlichen Schwimmbecken enden, in denen es sich herrlich baden laesst. Zumindest bis die Sonne hinter der Huegelkette verschwindet und wir uns im magischen Licht der Abendsonne auf den Heimweg ueber die staubige Piste machen. Kurz vor der halben Strecke sammeln wir einen voellig erschoepften Radfahrer auf, der die 30km von den Faellen gruendlich unterschaetzt hatte. Noch einmal geniessen wir Vin du rouge und tapenade d'aubergines in unserem Stammcafe, der Aufbruch morgen frueh ist leider vor der Ankunft der Croissants...

Moenche beim Almosen sammeln

7. Januar: Im Fernverkehr von Laos gilt, dass Morgenstund Gold im Mund hat. Nach dem Erwerb unserer Tickets vor zwei Tagen erklaerte uns die Dame im Reisebuero freundlich, dass wir mit den Tickets weder ein Recht auf einen Sitzplatz, noch auf den Transport an diesem speziellen Tag erworben haetten. Vielmehr sollten wir ca. eine halbe Stunde vor der Abfahrt um halb acht Uhr am Busbahnhof sein, der Bus fahre, wenn genuegend Passagiere da seien und das koenne auch um zehn nach sieben der Fall sein. Als wir noch sehr verschlafen kurz vor sieben Uhr dort eintreffen, herrscht ploetzlich grosse Hektik: Der Bus war gerade im Begriff zu fahren und wir bekommen gerade noch die letzten beiden Plaetze im Heck. Um uns herum auch zahlreiche Lao, die sich die Moerdertour mit den lokalen Bussen, in denen die Passagiere in mehreren Lagen uebereinander sitzen, nicht antun wollen. Die Strasse nach Vang Vieng, auf dem halben Weg zur Hauptstadt Vientiane besteht die ersten fuenf Stunden aus ununterbrochenen Serpentinen und die Haelfte der Lao an Bord uebergibt sich in einer Tour, waehrend die Touristen alle konzentriert wegblicken. Dann erreichen wir ein grosses Tal, in dessen Mitte Vang Vieng liegt. Das Doerfchen galt fuer fuenf Jahren als Geheimtipp fuer Kayak- und Hoehlentouren und als Backpacker-Paradies. Wir sind begeistert von der grandiosen Felskulisse und dem gemuetlichen Treiben auf alten LKW-Reifen den Fluss hinunter, die Stadt selbst bietet ein eher abschreckendes Beispiel von viel zu vielen Hostels und selbst ernannten "Western Restaurants".

8./9. Januar:Die Fahrt nach Vientiane ist sehr viel ruhiger als die am Vortag, die Strasse hauptsaechlich gerade. Wir beziehen unser Quartier direkt am Mekong und geniessen einen traumhaften Sonnenuntergang am Flussufer. Da es in ganz Laos keine Bruecke ueber den Mekong gibt, liegt auch Vientiane nur auf einer Seite des Ufers. Der Anblick von Gemuesefeldern gegenueber des Praesidentenpalastes gibt dieser Hauptstadt viel Charme, auch wenn wir die wenigen Sehenswuerdigkeiten gemuetlich an einem Vormittag erledigen koennen. Das einzige Abenteuer besteht in unserer Fahrt zum Flughafen, fuer die wir mit traumhafter Sicherheit das garantiert aelteste TukTuk der Stadt buchen. Mit vereinten Kraeften vermeiden wir es, von einem Radfahrer ueberholt zu werden, und betreten das schnuckelige Flughafengebaeude, wo uns die Anzeigetafel vier Fluege am heutigen Freitag angibt. Wir nehmen den vorletzten und verlassen schweren Herzens ein sehr charmantes Land mit herzlichen Bewohnern Richtung Hanoi.

TukTuk in Vientiane


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            Stand: 5. Februar 2004