Ko Lipe (11.12 - 21.12)

11. Dezember: Heute war der grosse Reisetag: Bereits um halb sechs wollte uns der Minibus von unserem Gaestehaus abholen, uns hatte man sechs Uhr gesagt, so dass uns die Lynchstimmung von unserem Fahrer, die uns um 5:50 Uhr entgegenprallte, doch etwas unvorbereitet traf. Ueber Stock und Stein und durch dunkle Gassen ging es, bis auch der letzte von elf engen Plaetzen gefuellt und die Miene unseres Fahrers irgendwo zwischen Kamtschatka und Nordpol angelangt war. Die thailaendische Grenzkontrolle ging dank unserer vorab erworbener Visa erstaunlich schnell, was die Mundwinkel des Fahrers wieder schmelzen liess, der uns dann eine Stunde spaeter in Hat Yai mit den Worten: "You're finished here" aus dem Bus warf. Als wir eine Viertelstunde spaeter etwas ratlos an einer Nebenstrasse des Bahnhofs standen, an der laut Guidebook unser Bus nach Pak Bara halten sollte, hielt ein Thai in seinem nagelneuen Pickup neben uns und erkannte das Dilemma. Mangels Sprachkenntnissen seinerseits packte er uns kurzfristig in sein Auto und brachte uns zum echten Busbahnhof.

Einstieg ins Longboat

Dort stellten wir erleichtert fest, dass die Uhren in Thailand gegenueber Malaysia eine Stunde spaeter gehen: Eine gewonnene Stunde und doch noch gute Chancen unsere Faehre zu erreichen! Eingequetscht in den Minibus (In Zukunft immer zwei Tickets fuer Florian!!) schaukeln wir ueber enge Strassen zum Faehrhafen, wo die Faehre um zwei Uhr endlich in See sticht. Ziel unserer Reise: Ko Lipe, der westliche Auslaeufer des Ko Tarutao Nationalparks und Heimat von rund 600 "sea gypsies", einem nomadischen Seefahrervolk. Daneben wird Ko Lipe in den Diskussionsforen im Internet als Geheimtipp fuer die geraunt, die in Phuket in den 80ern und in Ko Phi Phi Anfang der 90er waren. Viel konnte nicht los sein, unsere Faehre war duenn besetzt und davon gab es nur drei am Tag. Nach fast fuenf Stunden Schaukelfahrt uebers Meer waren wir rechtzeitig zum Sonnenuntergang im letzten Gefaehrt des Tages: Dem Longboat der sea gypsies, das mit dem ohrenbetaeubenden Laerm eines offenen Rasenmaehermotors bis in die seichte Bucht der Insel fahren konnte.

12.-16. Dezember: Unsere erste Nacht auf Ko Lipe war schrecklich. Das einzige Resort, zu dem wir in der Dunkelheit noch laufen konnten war wegen eines Nationalfeiertages berstend voll, so dass wir nur noch einen voellig ueberteuerten und ziemlich dreckigen Bungalow bekamen. Im Gegensatz zu anderen Mitreisenden hielt aber unser Moskitonetz und wir wurden nicht durch umherhuschende Kakerlaken geweckt. Dennoch: Nichts wie weg!!! Nach einem kurzen Rundgang ueber die Insel haben wir unseren Traumbungalow gefunden: Direkt am Phattaya Strand, mit Korallenketten geschmueckt, einfach, aber sauber. Und der Strand davor erhaelt 4 von 5 Punkten in der Baccardiwertung...

Zudem lag der Bungalow nur wenige Schritte von unserer Tauchschule, schliesslich stand endlich unser Tauchkurs an. Unser Tauchlehrer stellte sich mit den Worten "Tach auch, Norman aus Kiel" vor und erwies sich als hervorragender und sehr besonnener Lehrer. Die ersten Tage paddelten wir hauptsaechlich am Riff direkt am Strand, bevor wir am Abschlusstag fuer die tieferen Tauchgaenge an andere Stellen im Nationalpark mit dem Boot fuhren. Dank tatkraeftiger Mithilfe von Cosi in Muenchen brachten wir auch noch Florians Tauchattest ueber die einzige Satellitenverbindung auf die Insel, so dass unserer Zertifizierung nichts mehr im Wege stand!

Sunset Phattaya Beach

Da wir unseren Theorietest schon am zweiten Abend erledigt hatten, gab uns Norman noch einige Extrastunden in Meeresbiologie, damit " Ihr wenigstens wisst, wie das Biest heisst, dass Euch gerade gestochen hat". Zum Glueck blieben wir von solchen Zwischenfaellen verschont und konnten friedlich den Anemonen-, Zebra-, Papageien-, Puffer-, Rabbit-, Feuer- und sonstigen bunten Fischen zusehen, die die farbenpraechtigen Riffe umschwirrten. Zum Glueck tummelte sich meist alles in nur 3-5 Meter Tiefe, so dass wir sehr lange Tauchgaenge unternehmen konnten.

Beach und Fuesse

17. - 21. Dezember: Jim, der Besitzer der Tauchschule, hatte uns zu Beginn gewarnt, dass die meisten Touristen solange bleiben, bis ihnen das Bargeld ausgeht (Banken oder gar Geldautomaten sind auf Ko Lipe unbekannt). Und wirklich, unser schwedischer Nachbar zur Linken meinte nur gaehnend, dass er jetzt leider nach elf Wochen sein Visum erneuern muesse, aber noch mindestens sechs weitere Wochen plane. Unsere schwedische Nachbarin zur Rechten schien in ihrer Haengematte bereits festgewachsen und die (schwedischen) Nachbarn in der zweiten Bungalowreihe waren ganz begeistert als sie hoerten, dass wir bereits nach zwei Wochen wieder fahren wollten, denn: "Dann koennen wir doch noch sechs Wochen vorne am Strand sein". Nachdem sich solche Begegnungen haeuften, entwickelten wir die Theorie, dass die Schweden ihr Land Anfang September evakuieren und auf Ko Lipe und umliegenden Inseln verbringen. Ein kurzer Blick ins Gaestebuch verschiedener Cafes, Restaurants und Resorts auf der Insel bestaetigte diese Theorie: "Nationality, other than Swedish" lautete der Spaltentitel...

Wir blieben aber bei unserem urspruenglichen Ziel Weihnachten in Bangkok zu feiern und beschlossen nur alle Zwischenstopps zu streichen. Nach einem Ruhetag am Strand wollten wir endlich die anderen Touristen finden und schlossen uns einer der zahllosen Schnorcheltouren rund ums Archipel an. Wie auf den Bildern von Ko Adang und Ko Rabi (Baccardi-Wertung 4,5 von 5!!) zu sehen, ist uns das nicht wirklich gelungen: Nur einsame Straende und viele bunte Fische...
Ungluecklicherweise lag Florian die letzten beiden Tage mit Bronchitis in der Huette und fieberte sprichwoertlich der Abreise nach Bangkok entgegen, waehrend Eva noch einmal die Lagunen von unten unsicher machte. Ko Lipe verabschiedete sich nach zehn wunderbaren Tagen mit Regen von uns, wenn wir Ende Januar noch Zeit haben, kommen wir wieder!!!

Ko Rabi


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            Stand: 11. Januar 2004