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Evas und Florians Hochzeitsseite

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Auszug aus Karl Bauer, Regensburg - Aus Kunst-, Kultur- und Stadtgeschichte, Regensburg: Mittelbayerische Verlagsgesellschaft 1980, S. 466f.:

Wo sich der Kamm der Winzerer Höhen steil zum Brücklgraben, jenem von Adlersberg herabziehenden Taleinschnitt, hinabsenkt, greift die Burgfriedensgrenze Regensburgs am weitesten nach Westen aus. Hier, am abfallenden Höhenzug, liegt die uralte bäuerliche Siedlung Kager. Der Ortsname kommt in Altbaiern häufig vor. Es gibt nicht weniger als 19 Kager, 3 Kagern und ein Kagers. Eigenartigerweise lässt sich der Name außerhalb Bayerns nicht nachweisen. Kager ist die alte Bezeichnung für ein umfriedetes Grundstück, einen eingezäunten Bezirk. Die Kager - die alte Schreibweise gebraucht stets die weibliche Form - bedeutet Pfahlwerk, dichtes Gesträuch, auch lebender Zaun. Dieser Name, ursprünglich nur für die Umfriedung gebraucht, wurde allmählich auch auf den Platz ausgedehnt und schließlich auf die darauf befindliche Siedlung übertragen.

Die Bewohner von Kager lebten gleich denen der benachbarten Orte Winzer und Pfaffenstein vom Weinbau. "In dieser Hofmark sind meist lauter Weinzierln, von denen nur etliche wenige einen kleinen Feldbau haben", berichtet Wening 1726 in seiner Beschreibung der bairischen Rentämter, und noch 1835 nennen sich die Besitzer der fünfzehn Anwesen in Kager fast durchwegs Weinzierl. Mit dem Weinbau im Zusammenhang steht auch der Flurname "Herzoggwänder" für eine Gemarkung nordöstlich des Dorfes, der bis in die Zeit der bairischen Landnahme zurückreicht und darauf hinweist, dass die römischen Weinberge dieser Gegend in den Besitz der bairischen Herzöge übergegangen sind.

St. Michael zu Kager

Kulturmittelpunkt der Siedlung ist das romanische Kirchlein zu Ehren St. Michael. Nach glaubwürdiger Überlieferung erhielt es seine Weihe durch Papst Leo IX., der im Oktober des Jahres 1052 in Regensburg weilte. Auf seiner Weiterreise über Nürnberg nach Bamberg soll er die Kirchen von Kager und Bruckdorf aus der Ferne geweiht haben. Die Straße nach Nürnberg führte damals noch nicht durch Winzer, sondern über Prüfening und die Höhen bei Riegling und Vogelsang. Von hier aus soll der Papst mit gleichzeitigem Blick auf beide Kirchen die Benediktion vorgenommen haben. Ein altes Steinkreuz auf der Höhe bei Sinzing kennzeichnete den Ort der Segnung. Kirche und Hofmark Kager gehörten seit frühester Zeit zum Kloster Kastl bei Neumarkt. 1537 fielen sie durch Tausch an das Reichsstift St. Emmeram, wo sie bis zur Säkularisation verblieben.

Das Kirchlein muss 1182 eine bauliche Veränderung erfahren haben, denn am 18. Juli dieses Jahres nahm Bischof Konrad II. (1167 - 1185) eine neuerliche Weihe vor. Die Nachricht davon beinhaltet auch die erste Erwähnung unseres Ortes: in latere montis Kagere - an der Seite des Berges Kager. Seit dieser Zeit werden sich die Bauformen der Kirche nicht mehr entscheidend geändert haben. Aus dem einschiffigen, flach gedeckten Kirchenraum springt im Osten das Halbrund der Apsis aus. Der zierliche Dachreiter trägt ein Glöcklein, das Felix Koch aus Stadtamhof 1750 goss. Anlässlich einer Grabung im Jahre 1896 gelang die Entdeckung eines unterirdischen Ganges, der von der Apsis aus in östlicher Richtung verläuft und ursprünglich gewölbt und ausgemauert war. Dieser Gang weist das Gotteshaus als Fliehkirche aus. Bei Feindgefahr konnten sich die Bewohner in das Kirchlein zurückziehen und es durch den Gang, der an verborgener Stelle ins Freie führte, unbemerkt verlassen.

Die Stelle des Altarbildes nimmt die nach 1400 entstandene Statue einer Madonna ein. Der spätgotische Bildschnitzer verkörperte Maria als zartes Mädchen. Leise Wehmut überschattet das schmale Antlitz mit den sanft geformten Lippen. Der Blick ist in die Ferne gerichtet und es scheint, als suchten die Augen Mariens nicht mehr irdische Dinge, sondern erlebten bereits eine Vorahnung des Geschehens auf Golgatha. Dieses innige Bild der Gottesmutter, aus der nahegelegenen Feldkapelle "Maria Tannerl" hierher übertragen, zog die Herzen der Gläubigen in besonderem Maße an. Als Gnadenbild "Maria Tannerl" wurde es Mittelpunkt einer vielbesuchten Wallfahrt mit blühendem Votivwesen. Die Ex-Voto-Bilder aus Kager, die tiefe Einblicke in das Fühlen und künstlerische Schaffen des Volkes gewährten, zählten zu den bedeutenden des ganzen Landkreises.

Altarraum von St. Michael

Die Wallfahrt ist seit dem ersten Weltkrieg erloschen, und nicht mehr eine einzige Votivtafel schmückt die kahlen Kirchenwände. Im übrigen ist der Altar mit seiner breiten, bildhaften Erzählerlust ganz dem Herzen des Volkes verbunden. Links neben dem Aufzug steht der heilige Papst Urban, der Beschützer der Weinberge, mit seinem Attribut, der Traube. Gleichsam als letzte Erinnerung an die blühende Rebenkultur dieser Gegend umranken Weinlaub und Trauben die Säulen des Altares. Das Gegenstück zu St. Urban, eine Figur mit Buch und Mitra, stellt wohl den Regensburger Heiligen Erhard dar. St. Ottilia, die volkstümliche Helferin bei Augenleiden, trägt das Buch mit den zwei Augen; natürlich darf auch St. Leonhard, der Schutzpatron der Gefangenen und der Tiere, nicht fehlen.

Altar von St. Michael

Zu den Kunstwerken des Kirchleins zahlt eine gotische Kanzel, deren kubischen Körper Flachschnitzerei bedeckt. Von Ranken und Blattwerk umgeben, springen zwei Tiere gegeneinander: Hirsch und Einhorn.. Der Künstler wählte diese Figuren nicht willkürlich. Hirsch und Einhorn, Gestalten von mythologischer Bedeutung, nennt schon der Physiologus, ein um das Jahr 150 in Alexandrien entstandenes Schriftwerk. Das Bild des Hirsches, das auch die Edda kennt, galt unseren Vorfahren als Sinnbild der Wilden Jagd. Ihm sei, so glaubten die Alten, die Gabe verliehen, sich durch Fressen gewisser Kräuter von Krankheiten zu heilen. Auch könne er im Alter die Jugend wieder gewinnen. Ins Christliche umgedeutet, entstand daraus der Hunger der Seele nach Christus, dem Quell des Lebens. So wurde der Hirsch zum Heilszeichen, zum Symbol für Christus, der das Kraut wider den Tod verleiht.

In der Legende erscheint dem heiligen Hubertus ein kreuztragender Hirsch. Zähne des Hirsches (Grandeln) werden als Amulett an der Uhrkette getragen. Als volkstümliches Ornament auf Strickmustern und Stoffdrucken blieb die Figur des Hirsches bis heute lebendig. "Es ist ein kleines Tier, dem Zicklein gleich, aber sehr kühn, mit seinem Horn haut es gewaltig um sich..." So beschreibt der Physiologus das Einhorn, das nach alter Auffassung von keinem Jäger gefangen werden konnte. Nur angesichts einer reinen Jungfrau legt es seine Wildheit ab, nähert sich ihr und birgt seinen Kopf in ihrem Schoß. Die christliche Auslegung dieser heidnischen Überlieferung machte so das Einhorn zum Symbol der Jungfräulichkeit (s. Einhorn am Dom).


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            Stand: 22. September 2003