Französisch Polynesien (19. - 27. März)

19./20. März: Moorea Es ist halb drei Uhr morgens, als wir in Papeete, dem Flughafen von Tahiti ankommen. Ein ungewohntes Gefühl: Als EU-Bürger dürfen wir uns in die schnelle Schlange einreihen. Die Zollbeamten, sichtlich übernächtigt aufgrund der Verspätung unseres Fliegers halten sich mit unseren Rucksäcken nicht lange auf und konfiszieren nur die Blüte aus Evas Haar: "Pardon, Madame". Voila, willkommen in der Grande Nation, dem Territoire d'outre-mer Polynésie française!
Unser Flieger ins benachtbarte Moorea geht am frühen Morgen, die Suche nach einer Unterkunft macht also nur noch wenig Sinn. Zudem müssen wir aufpassen: Nach ihren schlimmsten Erfahrungen im Südpazifik gefragt führen die Autoren des Lonely Planet viermal Moskitos und dreimal die Lebenshaltungskosten in Französisch Polynesien auf. Und die Moskitos sind wirklich schlimm! Dem Thema "How to survive French Polynesia without ruining yourself?" sind mehrere Seiten gewidmet. Also, Zähne zusammengebissen und ein leidlich bequemes Bett aus Ruck- und Schlafsack gebaut. Es sind nur drei Stunden, die Putzkolonne schmeißt uns pünktlich zum Sonnenaufgang aus den nicht vorhandenen Federn. Wir fühlen uns ziemlich gerädert: Wo gibt es hier Kaffee? Doch nur Bares ist Wahres und alle Geldautomaten sind defekt, die Wechselstuben noch geschlossen. Dann die gute Nachricht: Die Fluglinie hat überhaupt nicht dagegen, dass wir schon um sieben statt um zehn Uhr nach Moorea fliegen. Wir merken gleich warum: Der Linienflug dauert exakt fünf Minuten und ist einer von mehr als 30 Flügen am Tag. Kaum Zeit also, aus dem Fenster das beeindruckende Bild zu würdigen: Die beiden Hauptinseln Tahiti und Moorea getrennt durch eine schmale Meerenge sind satt grün, in der Mitte steigen die Reste mächtiger Vulkane über 2500 Meter hoch. Diese Gebirgslandschaft steht in einem unwirklichen Kontrast zum tiefblauen Meer und der türkis leuchtenden Lagune, die beide Inseln umgibt.
In Moorea gelandet sind alle Strapazen der letzten Nacht schnell vergessen. Auf der Fahrt zu unserem Hotel kommen wir aus dem Staunen kaum mehr heraus: Bizarre Felsen und üppige Pflanzen rahmen die vielen Yachten in den langgestreckten Buchten der Insel ein. Die Früchte am Wegrand erscheinen überreif, etliche sind durch den Regen der letzten Tage aufgeplatzt und verströmen einen betörend süßlichen Duft. Im Hotel erwartet uns endlich unser Kaffee zur Begrüßung. Wir widerstehen der Versuchung, gleich in die weichen Federn unseres Bettes zu sinken und erkunden stattdessen die Umgebung: Ein weißer Strand mit vielen Palmen direkt vor unserer Terrasse, ein buntes Riff und schneeweiße Motus nur wenige hundert Meter von der Küste entfernt. Wir verbringen den Tag mit Schnorcheln und Dösen am Strand und raffen uns nur kurz dazu auf, anderen Hotelgästen beim Spielen mit den zahmen Delphinen des Hotels zuzusehen. Anschließend kaufen wir im benachbarten Supermarkt ein, um den tatsächlich absurden Preise zumindest etwas aus dem Weg zu gehen. Am Abend feiern wir unsere Ankunft mit einem Festmahl: Mahi Mahi mit Vanillesauce! Auch wir zuckten erst einmal zusammen, aber die frische Vanille von der Insel Taha'a, unserem nächsten Ziel, verwandelt den Fisch in eine Köstlichkeit.

Strand auf Moorea

Am nächsten Tag geht es zum Tauchen, die Tauchschule verspricht "votre plus belle plonge". Das Tauchen gleicht allerdings eher einem Unterwasserzirkus für uns Touristen denn dem ruhigen und spielerischem Entdecken, das wir bisher kannten und schätzten. Allerdings ist es wirklich ein sehenswertes Spektakel: Schon vor dem Eintauchen können wir das herrlich klare Wasser bewundern und in ihm einen Schwarm von sicherlich dreißig schwarzen Riffhaien. Keine Sorge, die sind nur zwei Meter und daher harmlos, redet man sich noch ein, ehe man ins mit 29 Grad warme Wasser springt. Auf zwanzig Meter Tiefe warten dann die drei bis vier Meter großen Zitronenhaie auf uns, angelockt durch die Dose mit Fischköder, die der Tauchlehrer an einer langen Leine bei sich führt. Durch die dünnen Ritzen dringt nur der anscheinend unwiderstehliche Duft und so ist der Tauchlehrer ständig von einem riesigen Schwarm Fische in allen Farben und Formen umgeben. Auch wir haben manchmal mehr Fische als Wasser vor den Augen, die angesichts der Fülle kaum noch Details erkennen können. Am Nachmittag erholen wir uns mit einer kleinen Kayak-Tour zu einem der anliegenden Motus und schnorcheln am Hausriff, wo wir auf einen kleinen Hai und die ersten Rochen stoßen. Die Rochen treffen wir abends beim Essen wieder, als wir ihnen von unserem Tisch auf der Terrasse aus beim Gründeln im flachen Wasser zusehen können.

21./22. März: Taha'a Der Flugplan im winzigen Flughafen von Moorea am nächsten Morgen liest sich wie ein Traum vom Paradies: Huahine, Bora Bora, Tahiti, Rangiroa, Raiatea... Letztere Insel ist unser erstes Ziel, von dort werden wir mit dem Schiff auf die Vanilleinsel Taha'a gebracht. Genauer gesagt auf ein kleines Motu neben der Insel, denn das Resort liegt völlig abgeschieden vom Rest der Inselwelt. Neugierige Delphine springen über die Bugwellen unseres Bootes, während am Horizont zum ersten Mal der charakteristische Vulkankegel von Bora Bora am fernen Horizont auftaucht. Wir sind vermutlich die ersten Rucksackreisenden, die hier je einen Fuß auf den weißen Sand setzten und bekommen vorsichtshalber den am weitest entfernten Bungalow zugewiesen. Uns war das gerade recht, denn direkt ums Eck liegt eine kleine Bucht, von der aus wir den Sonnenuntergang über Bora Bora bewundern können.

Wirklich verzaubert sind wir, als wir das erste Mal zum Schnorcheln gehen: Ein Korallengarten erstreckt sich entlang eines natürlichen Kanals zwischen unserem und einem benachbarten Motu. Das Wasser ist so klar, dass wir zunächst glauben, es handle sich um ein Aquarium: 50, ja 60 Meter Sicht unter Wasser. Im Wirrwarr der Korallen tummeln sich tausende von Fischen. Einige beäugen uns kritisch aus sicherem Abstand, andere plustern sich mächtig auf, um ihr Revier zu verteidigen. Dann entdeckt Eva einen Oktopus, der sich hinter einer Anemone angesaugt hat und wir beobachten ihn die nächste Viertelstunde beim mühsamen Versuch, über die brennenden Nesseln weiter zu kriechen, ohne seine Tarnung aufzugeben. Am nächsten Tag steigen wir in eines der Kanus und erkunden die einzelnen Motus um die Insel herum, bevor wir in einer der Hängematten dem Sonnenuntergang entgegen dösen.

Schöner Ausblick

23.-25. März: Bora Bora Nur fünfzehn Minuten mit dem Flugzeug trennen Raiatea und Bora Bora und doch könnte bei aller äußerer Schönheit, die beiden Inseln eigen ist, der Unterschied nicht größer sein. Bora Bora ist das tropische Traumziel, seit die amerikanischen GIs, die hier vor mehr als 60 Jahren aus Korallenstaub eine Landebahn in den Sand zementierten, nach ihrer Rückkehr mit leuchtenden Augen von Palmen und türkisem Wasser schwärmten. Bora Bora liegt fest auf der Route von Südseereisenden jedweder Nationalität und für die hoteleigenen Inselabende mit einheimischer Kultur werden Tanzgruppen aus ganz Französisch Polynesien eingeflogen. Es gibt Anbieter für Fallschirmsprünge, Rundflüge, Inselwanderungen, Felsklettern, Jet-Ski, Wasserski, Glasbodenboote, Schnorcheln, Tauchen, Rochen- und Haifischfütterungen und U-Bootfahrten (Letztere lernten wir auf einem Tauchgang in der Lagune kennen, als wir auf der Suche nach Adlerrochen auf sechs Meter Tiefe plötzlich nur noch durch eine Plexiglasscheibe von einer begeistert photographierenden japanischen Reisegruppe getrennt waren). Und natürlich gibt es Hochzeiten auf Bora Bora: In unserem Hotelzimmer lag eine mehrere Zentimeter dicke Broschüre, in der detailliert Ablauf, Elemente und Preise von Über- und Unterwassertrauungen, auf dem Strand oder im Wasser stehend, mit oder ohne echtem ungarischen Geiger und/oder Priester der gewünschten Weltreligion sowie die Anzahl der Blüten für Braut und Bräutigam festgehalten waren. Alles natürlich versehen mit der kleinen Fußnote, nach der die so vollzogenen Zeremonien keinerlei rechtliche Konsequenzen für die Beteiligten hätten.

Sonnenuntergang vor Bora Bora

Blickt man großzügig über solche Auswüchse hinweg, so ist Bora Bora ohne jeden Zweifel ein irdisches Paradies: Die dramatische Kulisse des Vulkankegels über dem grünen Dschungel, weißen Sand und in allen Blautönen schimmernden Wasser werden wir nie mehr vergessen. Direkt vor unserer Terrasse verläuft im Wasser eine scharfe Trennlinie zwischen dem flachen helltürkisen und dem tiefen dunkelblauen Wasser, schwimmt man darüber, fröstelt es den Körper unwillkürlich vor dem abrupten Abgrund, der sich dort unter der Meeresoberfläche auftut. In einem dieser tiefen Gräben, die um die Insel herum verlaufen, begegneten wir auch den größten aller Rochen, den Mantas. Nachdem wir zwanzig Minuten lang mit steigendem Mißmut im mit nur zehn Metern Sicht recht trüben Wasser getaucht waren, schob sich plötzlich der Doppelkiel eines Katamarans an uns vorbei. Erst nach einer Schrecksekunde erkannten wir, dass kein Schiff, sondern einer der sechs Meter großen Rochen hier majestätisch und ruhig an uns vorbeischwebte. Kaum war der Bann gebrochen, trafen wir noch auf fünf weitere Mantas, die einer nach dem anderen in respektvollem Abstand an uns vorbeizogen.

26./27. März: Tahiti Der Himmel weinte, als wir Bora Bora verließen. Und leider regnete es sich auch in Papeete, der Hauptstadt Tahitis und Französisch Polynesiens, kräftig ein. Da unser Flug erst um zwei Uhr morgens Papeete Richtung Los Angeles verließ, verbummelten wir noch den Tag an der ehrlich gesagt recht langweiligen Strandpromenade, deckten uns im Supermarkt mit Vanille und Kokosöl ein und drückten uns die Nasen an den Auslagen der Juweliere mit den schwarzen Perlen platt. Am Abend genossen wir noch ein letztes Mal die Nationalspeise Polynesiens: poisson cru, roher, in Kokosmilch marinierter Thunfisch, der mit frischem Baguette einfach unvergleichlich gut schmeckt, bevor wir uns in unsere mittlerweile sehr ungewohnten Jacken hüllten und uns auf den Weg zurück zur Nordhalbkugel machten.

Unser Aquarium


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            Stand: 8. Mai 2004