Cook Inseln (6.-18. März)

6./7. März: Rarotonga Ihr habt schon richtig gelesen! Den 6. März durften wir zweimal erleben: Beim Flug auf die Cook Inseln überqueren wir die Datumsgrenze und sind auf einmal Deutschland zeitlich wieder hinterher. Wir starten also am Sonntag Morgen um zehn Uhr in Auckland, um am Nachmittag des Samstages in Rarotonga zu landen. Währenddessen ist es in Deutschland gerade Sonntag geworden, so dass die Neuseeländer jetzt zukünftige Zukunft, Deutschland gegenwärtige Vergangenheit und wir vergangene Gegenwart...?!?";.§%&$"
Lassen wir das! Rarotonga, die Hauptinsel der Cook Inseln empfängt uns mit Blumenkranz und den Klängen der Ukulele. Die Beamten tragen Hawaii-Hemden und Shorts und machen einen sehr entspannten Eindruck. Wir werden vom Flughafen abgeholt und der Fahrer stellt uns schon einmal die Insel vor: Es gibt sieben kleine Dörfer, nicht so viele Einwohner, zwei Ringstraßen, eine am Strand entlang, die andere eine Stück weiter innen. Wer gut zu Fuß ist, umrundet die Insel an einem Tag, die meisten liegen lieber am Strand. Oh, und die Papayas und Kokosnüsse seien die besten des Pazifiks, die sollten wir nicht verpassen. Wenn wir Lust hätten, sollten wir morgen früh mit in die Kirche kommen, Touristen seien herzlich zur Messe und zum anschließenden Lunch eingeladen, seine Mama würde immer ihre leckeren Kokosnuss-Muffins backen...
Schon neidisch? Dann lest lieber erst in Kalifornien wieder weiter.

Guten Morgen Aitutaki!

Kurz darauf standen wir in unserem Zimmer. Nun ja, in einem unserer Zimmer, irgendwie müssen wir da etwas Kleingedrucktes überlesen haben. Der Besitzer entschuldigte sich für die Ebbe, derzeit sei Neumond und das Wasser daher nicht so klar und warm. Wir fanden 28 Grad und 20 Meter Sicht unter Wasser nicht so schlecht und verbrachten den Nachmittag damit, unter Entzückungsrufen von Motu zu Motu (kleine Inselchen, die der Hauptinsel im Atoll vorgelagert sind) zu waten und schnorcheln. Abends gab es frisch gegrillten Fisch und am nächsten Morgen wirklich sensationelle Papaya. Aber das eigentliche Erlebnis war der Gottesdienst: Zusammen mit dreißig weiteren Touristen standen wir in den Seitenschiffen der kleinen Kirche, während die Gemeinde, die komplett in weissen Anzügen, Kleidern und Hüten erschienen war, mit einer solchen Inbrunst und Lautstärke die Hymnen sang, dass die Fenster und Türen, wären sie nicht schon offen gestanden, weit aufgeflogen wären. Derart beschwingt ging es nachher beim Mittagessen weiter, wo wir und alle weiteren Gäste uns und unser Land kurz vorstellten und eifrig beklatscht wurden. Und als Florian sich auch noch zu einem dritten Kokosnuss-Muffin überreden ließ, klopfte ihm ein Inselbewohner kräftig auf die Schulter und meinte: "You eat like a Cook Islander", was angesichts des offensichtlich vorherrschenden Schönheitsideals "Big is beautiful" wohl als Kompliment gemeint war.

8.-14. März: Aitutaki War eine Steigerung möglich? Zumindest die Landung auf Aitutaki war einfach nur grandios: Tiefblaues Wasser, in dem auf einmal wie von Zauberhand ein winziges Fleckchen grün-hellblau auftaucht. Rasch wird es größer und man erkennt die herrliche Lagune mit einer Perlenkette an kleinen Motus, die sich an die langgestreckte Hauptinsel anschließen. Das Wasser in der Lagune wirkt fast künstlich und strahlt in der Sonne. Am Flughafen erwartet uns eine kleine Holzhalle, über der verwegen "Aitutaki International Airport" steht. Ein Busfahrer nimmt die neuen Gäste in Empfang und verteilt sie in einer Rundfahrt auf der Insel. Wir steigen in Paradise Cove aus, wo uns ein winziger, doch sehr malerischer Bungalow direkt am Strand erwartet. Die nächsten Tage liegen wir einfach nur am Strand und können die Schönheit kaum fassen. Abends steigen wir auf unseren gemieteten Roller und fahren zu einer der kleinen Buden mit kurzer Speisekarte: Burger und Chips oder Fish und Chips? Im Supermarkt gibt es neben den einheimischen Früchten und Fischen nur Konserven, die mit dem Schiff von Neuseeland kamen.
Doch auch im Paradies existiert eine Plage: Mücken und Sandfliegen und leider zu zahlreich. Nach anfänglichem Kampf und viel zerstochener Haut sind wir nach ein paar Tagen auf einmal nicht mehr süss genug, stattdessen schwirren die Wolken jetzt um die Nachbarhütten, wo die neuen Gäste eingezogen sind: Anscheinend stehen die Biester auf frisches Blut.

Ganz untätig wollten wir aber auch nicht sein und so wandern wir bei tropischer Schwüle im echten Schweiße unseres Angesichts auf den mit - nicht lachen! - 120 Meter höchsten Hügel der Insel, um den Rundblick über die Lagune zu genießen. Von hier entdeckten wir auch die kleinen Motus von unserer Bootstour über die Lagune wieder, die wir zwei Tage zuvor unternommen hatten: Dort liegt One Foot Island mit dem kleinsten Postamt der Welt (mit umso mächtigeren Stempeln!), hier die Insel mit den weißen Vögeln, dort die erst in den letzten Jahren entstandene Honeymoon Island, auf deren schneeweissen Sand wir in guter Sitte gemeinsam eine Palme pflanzten. Hier liegt das Korallenriff, dort der Strand mit den großen Muscheln.
Wie im Flug vergeht die Woche und gerade noch rechtzeitig schaffen wir es am Samstag noch einmal Tauchen zu gehen, denn am Sonntag geht auf den streng christlichen Cook Inseln nichts: Keine Flugzeuge, Schiffe oder Busse stören die Stille.

Für die Galerie!

15.-18. März: Rarotonga Schweren Herzens verlassen wir das kleine Paradies Aitutaki, um uns zurück in Rarotonga wieder am schönen Muri Beach einzuquartieren. Zu Gast sind wir diesmal bei Elliott Smith, einem pensioniertem Richter aus Los Angeles und Verfasser eines Standardreiseführers der Cook Inseln. Knurrig wohlwollend weist er uns in die Kunst des Kokosnussöffnens ein: Zuerst mit der Machete die grüne Hülle auf einer Seite abschlagen, bis der Kern zum Vorschein kommt. Dann mit dem Messer ein Loch in die weiche Spitze des Kokosnuss bohren, aus dem die Milch getrunken wird. Danach erst wird die Nuss in der Mitte mit kräftigen Hieben gespalten. Eva entwickelt sich zu einer wahren Meisterin und versorgt alle Gäste mit so viel Kokosnuss, dass zum Schluss auch Princess, der Hund des Hauses, zu seiner Leibspeise kommt.

Wer sät...

Eine sehr viel radikalere Methode führt uns ein Ureinwohner der winzigen Insel Atiu am folgenden Abend auf der "Island Night" eines der großen Resorts auf Rarotonga vor: Mit bloßen Zähnen reißt er die Hülle auf und spaltet die Schale mit einem kräftigen Hieb eines Holzstäbchen. Das mußten wir zum Glück nicht nachmachen, im Gegensatz zu den wilden Inseltänzen, zu denen alle Paare auf die Bühne gebeten wurden, die "weniger als ein Jahr und länger als 12 Stunden miteinander verheiratet sind". Zum Glück sind die Cook-Inseln klassisches Ziel australischer und neuseeländischer Flitterwöchler, so dass neben uns noch elf weitere Paare ihre Hüften schwangen. Für alle, die vielleicht zukünftig in eine solche Lage kommen werden, hier unser Tipp: Männer verschwinden bei langsamen Rhythmen von der Tanzfläche und müssen bei schnellen Stücken breitbeinig stehend ihre Knie möglichst viermal in der Sekunde aneinanderschlagen, dabei abwechselnd grimmig schauen und lächeln sowie mit den Armen Handkantenschläge gegen virtuelle Gegner ausführen. Frauen wiegen bei langsamen Stücken grazil ihre Hüften und malen mit den Armen die Palmen der Umgebung nach. Bei schnellen Rhythmen versuchen sie die Kniefrequenz der Männer mit ihren Hüftschwüngen zu übertreffen, ohne die Arme schneller zu bewegen. Sie lächeln dabei ständig.

Diese Tanztaktik funktioniert im ganzen Südpazifik und diente ursprünglich dazu, die körperliche Fitness in einer doch sehr kriegerischen und häufig auch kannibalischen Umwelt zu beweisen. Wie überhaupt das Bild der Südsee als ursprüngliches Paradies im Wesentlichen europäischen Projektionen des 19. Jahrhunderts zugrunde liegen. Am tollsten finden wir die Geschichte der "Friendly Islands", die James Cook nach eher handkräftigen und blutigen Erfahrung auf den "Hostile Islands" so taufte, weil er und seine Besatzung mit hohen Ehren empfangen und bewirtet wurden. Drei Tage schlemmten die Seefahrer mit den Einwohnern, schäckerten wohl auch mit den Inseltöchtern, bevor sie unter Hurra wieder Segel setzten. Dreißig Jahre später fanden die Missionare heraus, dass das Bankett als Falle gedacht war und Cook nur deshalb so fröhlich abziehen konnte, weil sich rivalisierende Familien auf der Insel nicht vorab über die Aufteilung der Beute einigen konnten und daher den Angriffsbefehl des Häuptlings beim Schmaus verweigerten.
Nun ja, wir sind auch nicht im Kochtopf gelandet, sondern genossen die letzten Tage auf den Cooks noch mit Sonnen, Schnorcheln, Tauchen und dem Schnuppern an tropischer Blütenpracht. Nach einem letzten Abendessen unter Palmen brachen wir zum Flughafen auf, wo wir im einzigen Garten der Welt, der auch ein Flughafen-Gate ist, lange auf unsere Maschine warten mussten. Erst nach Mitternacht begann die Ukulele zu spielen, das sichere Zeichen, dass das Flugzeug jetzt betreten werden kann.

...wird ernten!


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            Stand: 5. Mai 2004