Zimbabwe / Botswana (11.11-18.11)

10./11. November: Wer sagt, wir waren nicht gut vorbereitet? Eva hat doch sechs Stunden vor dem Abflug ihre Doktorarbeit eingereicht und gemeinsam haben wir genau in dem Moment angefangen, unsere Wohnung aufzuraeumen, als unten Florians Mutter vorfuhr, um uns zum Flughafen zu bringen. Gluecklicherweise frueh genug, um uns dort ausfuehrlich von den versammelten Familien zu verabschieden und kurz die Beine auszustrecken. Das klappt bei Lufthansa naemlich nicht mehr, der Sitzabstand bei Langstreckenfluegen entspricht exakt der Laenge von Florians Oberschenkel, so dass ein Anschnallen fast nicht mehr notwendig ist.
Bereits aus der Luft konnten wir unser erstes Ziel bewundern: Victoria Falls

Victoriafaelle

Auf einer Breite von 1600 Metern stuerzt der Sambesi bis zu 100m in einen so engen Canyon, dass er vom Flugzeug aus einfach in einer Rauchwolke zu verschwinden scheint. Von unten ist das Ganze natuerlich spektakulaer (und sehr nass), aber dazu mussten wir zunaechst von Johannesburg zurueck nach Zimbabwe fliegen. Neben der peniblen Einreisekontrolle (Unsere Vermutung bisher: Je politisch unbedeutender ein Land ist, desto groesser und zahlreicher die Stempel) wartete auf uns noch eine viel groessere Barriere auf uns: Wasserbueffel. Ein Wachmann des Hotels eskortierte uns die Haelfte des Weges zwischen Hotel und dem Tor zu den Faellen und verabschiedete sich dort mit den Worten: "From here it is very safe". Sprachs, machte kehrt und uebersah den hinter dem naechsten Busch grasenden 800 Kilo Bullen, der uns gluecklicherweise konsequent ignorierte. Die Wanderung entlang des Grabens und die Farbenspiele von bis zu drei Regenboegen im Sonnenlicht entschaedigten uns aber fuer die wackeligen Knie, mit denen wir am Bueffel vorbeischlichen. Abends begossen wir unseren ersten Urlaubstag auf der Hotelterrasse, von der nur noch der Rauch der Faelle zu sehen war.

12.-18. November: Frueh am naechsten Morgen brachen wir zu unserem eigentlichen Ziel der ersten Woche auf: Safari in Botswana, der "Schweiz Afrikas". Dies bezieht sich leider nicht nur auf die bemerkenswerte politische Stabilitaet und die oekonomische Starke sondern auch auf das herrschende Preisniveau. Konsequenterweise heisst die Waehrung im Halbwuestenstaat Pula (=Regen), knappe Gueter sind eben teuer. Da im November typischerweise bei Temperaturen um 40 Grad die Regenzeit einsetzt, ist Nebensaison, die Tiere draengen sich nicht mehr um die wenigen Wasserstellen und sind schwerer zu beobachten. Dieses Jahr will aber kein Regen fallen, das gesamte suedliche Afrika ist ausgetrocknet. Die Konsequenzen konnten wir schon im kleinen, wackeligen Flieger zu unserem ersten Camp sehen: Riesige Elefantenherden draengten sich am Fluss.

Rund um Savute Camp waren kuenstliche Wasserloecher fuer die Tiere angebracht und so konnten wir von unserem Zimmer oder dem Pool in 10 bis 20 Meter Entfernung den Elephantenherden beim Trinken zusehen. Die laut schmatzenden Geraeusche und gelegentliches Roehren begleiteten uns auch durch die Nacht. Eine kurze Nacht auch deshalb, weil der typische Safarirhythmus beginnt: Aufstehen um fuenf Uhr, spaetestens halb sechs, eine Tasse Kaffee und dann auf zur ersten Fahrt in den Busch. Rueckkehr gegen zehn Uhr, noch vor Beginn der Mittagshitze und ausgiebiges Fruehstueck/Mittagessen. Am spaeten Nachmittag Kaffee und Kuchen vor dem Aufbruch zur zweiten Fahrt bis zum Sonnenuntergang. Auf freiem Feld der "Sundowner" danach Nacht-Safari auf die nachtaktiven Tiere mit Such-Scheinwerfern. Nach der Rueckkehr ausgiebiges Dinner und frueh unters Moskitonetz gekrochen.

Savute Camp

Die staendige Esserei dient unserer Meinung nach vor allem der Sicherheit der lokalen Safari-Fuehrer und Spurenleser: Ein Touri mit "Botswana belly" laeuft nicht so schnell...
Tatsaechlich wird man einfach rundum verwoehnt, wobei schoene Unterkuenfte und gutes Essen nur einen wichtigen zweiten Rang einnehmen. Das Schoene und unglaublich Bewegende sind natuerlich immer die Landschaft und vor allem die Tiere, denen man mit den Allradfahrzeugen unglaublich nah kommen kann: Die Fahrzeuge greifen niemals in die Umgebung ein und werden daher fast immer ignoriert.

Baobab

Hoehepunkte in unseren Camps Savute, Sandibe und Nxabega waren:
Fruehstueckstee ausserhalb des Wagens an einem Wasserloch, von dem ein Elephant in nur fuenf Metern Entfernung von uns vorbeischritt, um sich seinen Ruecken an einem Baum zu schrubben (Unser Fuehrer erklaerte derweil mit dem Ruecken zum Elefanten seelenruhig das Sozialleben der ebenfalls vorhandenen Termiten, an das wir uns allerdings ueberhaupt nicht erinnern koennen).
Unsere ersten Leoparden: Ein kleines Weibchen in Savute und ein grosses Maennchen in Rufweite vom Camp in Sandibe, der im Laufe unseres Aufenthaltes Stueck fuer Stueck eine Antilope vertilgte.
Ein Loewenweibchen mit drei noch sehr knuddeligen und verspielten Jungen, die die Safarifahrzeuge mit einer Mischung aus Respekt und Neugier beaeugten.
Eine Stampede von drei Bueffeln direkt an unserem Wagen vorbei, die durch das Licht eines voranfahrenden Autos geblendet und irritiert worden waren.

Neben diesem "Big Game" bietet Botswana aber noch viel, viel mehr. Beruehmt ist vor allem das Okawango Delta, in dem einer der groessten Fluesse Afrikas in einer gewaltigen Tiefebene vor der Kalahari versickert und verdunstet. Das Wasser ist nur selten mehr als ein, zwei Meter tief, erstreckt sich aber ueber tausende von Quadratkilometern und bietet einen einzigartigen Lebensraum fuer Tiere, vor allem Voegel. Das traditionelle Fahrzeug ist der hoelzerne Einbaum (mokoro), mit dem man lautlos durch die dichten Schilfwaelder gleitet. Das gleichzeitige Gefuehl absoluter Ruhe des eigenen Gleitens und endloser Weite ist grandios, der Sonnenuntergang unbeschreiblich schoen.

Mokoro

Als der Besitzer einer Lodge von unserer Reise hoerte, meinte er nur trocken: "So it's only going downhill from here". Wir hoffen nicht, aber Botswana hat definitiv Suchtpotential.


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            Stand: 2. Dezember 2003