Bangkok (22.12 - 26.12)

22. Dezember: Bangkok ist definitiv eine Stadt fuer Spaetaufsteher! Als wir nach einer sehr angenehmen Nacht im Liegewagen gegen acht Uhr den Stadtrand erreichen, regt sich gerade das erste Leben in den kleinen Huetten, die sich dicht an die Gleise draengen. Einige, wenige fahren auf selbstgebastelten Draisinen zum Markt auf dem Nachbargleis, wenn wir wollten, koennten wir aus dem Fenster in die Fruechtekisten greifen. Am Bahnhof angekommen machen wir uns auf die Suche nach einem Internetcafe: Die meisten Laeden und selbst ernannten Tourist Informations sind noch fest vergattert. Nach einigem Herumirren steht fest: Hurra, wir haben ein Zimmer bekommen! Die erste warme Dusche seit zwei Wochen ist ein phantastisches Gefuehl...

Chilischoten am Markt

Waehrend Florian sich in Richtung Krankenhaus aufmacht (keine Sorge: mittelschwere Bronchitis, nach zwei Tagen Antibiotika wieder voll auf den Beinen), widmet sich Eva schon mal der groessten Attraktion Bangkok: Shopping! Nun ja, hauptsaechlich versucht sie vor allem einen grossen Rucksack voll mit Waesche an kompetente, doch preisguenstige Haende loszuwerden. Wie wir spaeter feststellen werden, waren wir dazu in der falschen Gegend (Auf Siam Square bezahlt man nach Stueck, nicht nach Kilo). Dann muessen Visas fuer Laos, Vietnam und Kambodscha besorgt werden, also nochmals hinein in den absurden Verkehr und eine zuverlaessige Reiseagentur ausfindig machen, die uns die Visa in vier Tagen organisiert.

23. Dezember: Florian steht soweit wieder, dass wir uns gemeinsam in unser erstes TukTuk stuerzen: Diese ohrenbetaeubenden Kreuzungen aus Lieferwagen und Rasenmaeher stehen in der gnadenlosen Hierarchie der Strassen von Bangkok eins ueber den wespenartig herumsausenden Motoradtaxis und unter den mehr oder weniger auto-Mobilen, die hier als Taxis bezeichnet werden. Fehlende Masse wird durch Lautstaerke kompensiert, niedrige Preise durch Zwischenstops beim Laden des Cousins... Wir hatten so gut verhandelt, dass unser Fahrer nach dem Halt beim "very special price" Goldschmuckladen ein weiteres TukTuk anhielt und dessen Fahrer Geld gab, damit er uns fuer den urspruenglichen Preis zu unserem Ziel fuhr. Noch so eine Fahrt und wir sind reif fuer das T-Shirt "TukTuk-Killer", das in allen Backpacker-Absteigen guenstig angeboten wird.

Unser Reisefuehrer mahnte zur sorgfaeltigen Wahl einer Unterkunft, da sich der Bewegungsradius von Touristen aufgrund der chronisch verstopften Strassen Bangkoks zunehmend auf die begehbare Umgebung beschraenkt. Sehr wahr! Da wir die Umgebung von Siam Square bald erkundet hatten und das erste Hotel unser Budget sprengte, waren wir sehr froh mit Jim's Lodge eine sehr schoene Unterkunft in der Naehe der Sukhumvit fuer morgen zu finden. Mit der Hochbahn (vermutlich ist Bangkok die einzige Stadt weltweit, wo ein oeffentliches Verkehrsmittel sich teurere Preise als Taxis leisten kann) ging es bemerkenswert flott zurueck, wo wir den Tag erholsam am Swimming-Pool ausklingen liessen. Der Hoehepunkt war natuerlich am Abend: Im VIP-Kino, wo Florian sitzen kann ohne dem Vordermann mit den Knien die Sicht zu versperren, gabs Herr der Ringe Teil III, allerdings nicht ohne Skurilles am Rande: Vor jedem Film zeigen thailaendische Kinos einen einminuetigen Film ueber die Wohltaten des Koenigs unterlegt mit pompoeser Musik. Da wird das Popcorn fallen gelassen und das ganze Kino steht stramm.

Tempeldach in Bangkok

24. Dezember, Heilig Abend: Unser erstes Weihnachtsfest bei ueber dreissig Grad naht. Da Florian wieder ganz auf den Beinen ist, stehen heute endlich Bangkoks historische Bauten auf dem Programm: Wir beginnen mit dem liegenden Buddha von Wat Pho, er mit seinen fast 40 Metern Laenge eine wahre Halle von Tempel bis unters Dach fuellt. Sehr viel kleiner, aber deutlich bedeutender ist der Smaragd-Buddha im Grossen Palast, der in einer farbenpraechtigen und magisch schimmernden Halle aus Gold und bunten Glas aller Farben untergebracht ist. Obwohl aus Jade (eine Fehldeutung des Wiederentdeckers) und aus dem Koenigreich Laos geraubt gilt er als DAS Heiligtum Thailands. Um ihn herum die ganze Pracht, die thailaendische Kuenstler zu bieten hatten: riesige goldene Stupas, praechtige Wandgemaelde auf der Tempelmauer und die schoensten Exemplare aus der koeniglichen Sammlung von steinernen Elephanten (Er hat auch echte). Nach Tempel und koeniglichen Palaesten geht es zurueck auf dem vollgepfropften Boot zur Hochbahn und dann ins neue Hotel. Dem Trubel entronnen feiern wir Heilig Abend sehr europaeisch in einem franzoesischen Restaurant, wo die festsitzenden Expats ihren Kummer mit Foie gras und Bordeaux versuessen.

Elephanten nicht streicheln

25. Dezember: Ganz in der Frueh brechen wir auf, um den herrlichen Wat Atun, den Tempel der Morgendaemmerung, seiner ganzen Pracht vom Boot auf dem Chao Phraya zu sehen. Damit sind wir auch rechtzeitig beim Nationalmuseum, um an der englischen Fuehrung teilzunehmen. So dachten wir zumindest, aber eine der Fuehrerinnen entpuppt sich als waschechte Duesseldorferin, die ihre traditionelle Weihnachtsfuehrung fuer uns fuenf deutsche Touristen mit Zimtsternen aus der Heimat ("Selbst importiert") aufpeppt und uns eifrig Schmatzenden die Unterschiede zwischen dem meditierenden Sukkothai und dem die Erdgoettin anrufenden Khmer-Buddha naeher bringt. Nach soviel Kultur goennen wir uns eine Rueckkehr in die Wirklichkeit in der beruehmt-beruechtigten Khao-San Road, wo dank Horden von Backpackern aus aller Welt vom Flug nach Kathmandu bis zum Doktortitel (mit einer oder mehreren Urkunden) alles zu kaufen ist, bevor wir abends auf der Sukhumvit Ulis Restaurant-Tipp "Cabbages & Condoms" mit hoellisch scharfem, aber leckerem Essen schaetzen lernen.

26. Dezember:Unser letzter Tag in Bangkok im Jahr 2003. Nach einigen Stunden im Internet-Cafe sind wir selbst begeistert, wie gut wir mittlerweile mit Hochbahn, Taxis und Fussweg jonglieren, um ein weiteres Paeckchen Richtung Heimat zur Post und uns selbst zum Bahnhof zu bringen. Western New Year ist einer der grossen Feiertage in Thailand und so haben wir leider keinen Zug Richtung Norden mehr bekommen, aber unsere findige Reiseagentur versprach uns Frontsitze in einem der bequemen Schlafbusse. Waehrend unsere Rucksaecke in der Gepaeckaufbewahrung schlummern, drehen wir noch eine letzte Runde durch Chinatown. Uns erwartet ein gewaltiger, fuenf Tonnen schwerer Buddha aus Gold, der Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts zufaellig unter einer Gipsschicht entdeckt wurde, die ihn fuer Jahrhunderte vor den begehrlichen Augen von Freund und Feind beschuetzt hatte. Dieser Fund kostete Tausenden von echten Gipsbuddhas in Thailand das Leben, so dass die Kunsthistoriker heute noch nicht wissen, ob sie lachen oder weinen sollen. Begleitet vom goldenen Laecheln wagen wir noch einen Abstecher in die engen Marktgassen, wo sich die Massen um getrocknete Tintenfische, lebende Kroeten und andere Leckereien draengen.

Wat Atun


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            Stand: 11. Januar 2004